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"Das Alter zwischen zwei und zehn Jahren eignet sich hervorragend zum Sprachenlernen. Wir nutzen dieses Zeitfenster und schaffen die Grundlage für Begegnungen der Kinder und eine spätere berufliche Perspektive im Grenzraum."

Bettina Jungnickel • Erzieherin • Kita „Knirpsenland“ • Oderwitz

"Wenn ich schon an der tschechischen Grenze wohne, sollte ich auch die Sprache des Nachbarn beherrschen.“ Für Bettina Jungnickel aus Oderwitz ist das selbstverständlich. Die Erzieherin wurde bereits durch ihr Elternhaus geprägt, da ihr Vater perfekt Tschechisch spricht.
Als die Volkshochschule im Jahr 2004 Sprachkurse für Erzieherinnen anbot, nutzte sie die Chance. Zwei VHS-Kursen folgten weitere Kurse an der Schkola und eine vierwöchige Sommerschule an der Karls-Universität in Prag. Den Anstoß zu diesem Engagement lieferten die von ihr betreuten Kinder der Kita „Knirpsenland“. „Viele Kinder haben mir erzählt, dass sie mit ihren Eltern in Tschechien tanken oder einkaufen waren. Meine Frage, ob sie dort auch Tschechisch gesprochen hätten, haben sie verneint. Zumindest für die Kinder wollte ich das ändern.“ 

Seit 2007 gibt es eine Partnerschaft zum Kindergarten „Pampeliška“ (Löwenzahn) in Jablonec nad Nisou. Bei
einer Weiterbildung in Rothenburg/O.L. traf die Erzieherin die Leiterin des tschechischen Kindergartens, die auf
der Suche nach einer Partnereinrichtung war. In Gesprächen mit der eigenen Kita-Leitung sowie den Kindern
und Eltern gab es breite Zustimmung zu dieser Partnerschaft. Seitdem gehört das Lernen der Nachbarsprache in beiden Einrichtungen zum Alltag. Ein Tag pro Woche ist für die Nachbarsprache reserviert. Da pendeln die
Erzieherinnen in den Partnerkindergarten und zweimal im Monat pendeln die Gruppen. Die Kinder nähern sich
spielerisch der Nachbarsprache. Sie lernen die Kultur des anderen kennen und schließen Freundschaften. Einmal pro Jahr findet ein Familienwochenende mit 30 deutschen und tschechischen Kindern und deren Eltern statt. „Das Alter zwischen zwei und zehn Jahren eignet sich hervorragend zum Sprachenlernen“, berichtet Bettina Jungnickel. „Durch das Lernen der Fremdsprache wird auch die eigene Sprache gefestigt. Das bescheinigt uns auch die Logopädin, die regelmäßig in unsere Einrichtung kommt.“ Die Sprachkenntnisse helfen nicht nur bei Begegnungen der Kinder sondern auch bei der beruflichen Entwicklung in der Grenzregion.

Inzwischen gibt es viele Berufspendler, die dank ihrer Sprachkompetenz auch im Nachbarland arbeiten können. Bettina Jungnickel und die Kita „Knirpsenland“ schaffen mit ihrem Engagement die Grundlage für eine gelebte
deutsch-tschechische Nachbarschaft.