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Heimat finden

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"Für uns gibt es überhaupt keine Grenze zwischen den Ländern mehr. Wir leben und gestalten den Alltag hier und da und gehen zum Beispiel dort zum Arzt, wo es für uns am besten ist."

Familie Brenner • Rumburk

 

Jana und Bernd Brenner lernten sich vor circa 20 Jahren über einen bilateralen Jugendaustausch zwischen den evangelischen Kirchengemeinden Jena und Brno kennen. Aus dem Jugendaustausch wurde eine Fernbeziehung über 1.000 Kilometer, verbunden mit langen Busfahrten.

Unzählige Sprachkurse in Deutsch bzw. Tschechisch folgten und schließlich fanden beide in Dresden an einem Ort zusammen. Dass dies nur eine Zwischenstation sein sollte, war beiden klar: „Es war immer noch zu weit weg von Tschechien. Also nahmen wir an einem Abend bei Wein die Landkarte heraus und ließen den Zufall entscheiden.“ So fasst Jana Brenner die Umstände zusammen, wie sie sich, auf der Suche nach einer neuen gemeinsamen Heimat mit unmittelbarer Nähe zu beiden Ländern, Ebersbach in der Grenzregion auserkoren. Frau Brenner fand eine Anstellung als Grundschullehrerin in Rumburk und Herr Brenner als Arzt im Klinikum Ebersbach. Nach einem kleinen Kulturschock überwogen die positiven Seiten der Grenzregion, wie die schöne Natur, die Ausflugsziele und unzähligen Wander- und Radrouten, aber auch neue Kontakte. Der Umzug nach Rumburk erfolgte, damit die beiden Kinder, Tony und Madlen, in eine tschechische Schule gehen können.

Sohn und Tochter wachsen Dank ihrer Eltern konsequent mit beiden Sprachen auf und sind in beiden Kulturen zu Hause. „Eine Familiensprache gibt es bei uns nicht. Lustig ist allerdings, dass sich zu Hause die Kinder untereinander in Tschechisch und die Eltern untereinander in Deutsch unterhalten“, berichten Brenners.

Als deutsch-tschechische Familie erlebt man so Einiges: Zum einen „… decken wir viele Nischen im bürokratischen System der Länder auf“. Beispielsweise schien die Kreditaufnahme beim geplanten Hausbau, aufgrund der Gesetzgebungen in beiden Ländern, erst einmal nicht möglich. Zu einem Eigenheim haben sie es schließlich trotzdem geschafft. Zum anderen ergeben sich vor allem viele Vorteile, wenn man die Sprachen in der Grenzregion beherrscht: „Für uns gibt es überhaupt keine Grenze mehr. Wir leben und gestalten den Alltag selbstverständlich hier und da und gehen zum Beispiel dort zum Arzt, wo es für uns am besten ist“, meint Bernd Brenner. „Dieses Potential sollten alle hier lebenden Menschen erkennen, das heißt in der Lage zu sein, das Beste aus beiden Kulturen und Ländern zu nutzen“, so der Wunsch der Eheleute für das Leben in der Grenzregion in der Zukunft.