Miteinander lernen – voneinander lernen

„Das Wort ‚Grenze‘ schafft schon eine Trennung im Kopf.“, mit dieser Aussage brachte Dr. Maciej Zathey vom Institut für Territoriale Entwicklung in Wrocław die besondere Situation in der Region Sachsen/Niederschlesien zum Ausdruck. Als Referent unserer Konferenz „Groß für Klein – Duzi dla małych: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit zur Förderung der interkulturellen und nachbarsprachigen Bildung im Bereich der Vorschulerziehung“ ging er auf die notwendige Verflechtung der Regionen beiderseits der Neiße ein. Die Sprache des Nachbarn sei wichtige Voraussetzung für die gemeinsame Bewältigung der demografischen, wirtschaftlichen und strukturellen Herausforderungen.Gemeinsam mit unserem Projektpartner, dem Niederschlesischen Lehrerfortbildungsinstitut (DODN) Wrocław, hatten wir am 26. Januar eingeladen, die Rahmenbedingungen und Potenziale des Nachbarsprachenlernens in der Grenzregion zu diskutieren. ErzieherInnen, Kita-Leitungen und -Träger, Mitarbeitende der Bildungsabteilungen in Landkreisen und Gemeinden im Fördergebiet sowie VertreterInnen von Politik, Verwaltung und Wissenschaft sind unserer Einladung nach Jelenia Góra gefolgt.

„Ich freue mich über den Austausch mit den deutschen Kolleginnen und auf neue Impulse für meine Arbeit.“, berichtete Kita-Pädagogin Małgorzata Bartecka aus Jelenia Góra. Sie ist Teilnehmerin des Sprachkurses für Erzieherinnen, der im Rahmen unseres Projektes „Groß für Klein – Duzi dla małych“ durchgeführt wird. Vieles aus dem Kurs konnte sie schon in ihre Arbeit einfließen lassen. Die Kinder reagieren sehr positiv auf die deutsche Sprache und fangen selbst an, deutsche Wörter zu sprechen. „Das Projekt gibt mir viele neue Möglichkeiten für das spielerische Lernen der deutschen Sprache. Kinder in diesem Alter haben so eine tolle Auffassungsgabe, dass es einfach Spaß macht.“

Über positive Erfahrungen berichtete auch Una Pabst vom Freinet-Kinderhaus in Görlitz. „Unsere polnischen Kita-Kinder fühlen sich wohler, wenn die Erziehrinnen auch ihre Sprache sprechen. Sie werden dadurch ermutigt, auch einige erste deutsche Worte zu versuchen.“ Auch Frau Papst konnte bereits Impulse aus dem Sprachkurs umsetzen. So haben die Kinder polnische Lieder und Spiele erlernt. Polnische Worte werden dabei immer wieder in den Kita-Alltag integriert.

In einem vor der Konferenz stattfindenden Integrationsworkshop konnten sich alle deutschen und polnischen ErzieherInnen des 1. Pilotkurses kennenlernen. Es erfolgte die Einführung in die Erarbeitung von themenbezogenen Materialien für die Kitas, welche im Nachgang des Pilotkurses zum regelmäßigen Einsatz kommen sollen. „Es gibt keine 100 prozentig erfolgreiche Methode, um Kindern eine Sprache beizubringen.“, unterstrich Dr. Ewa Wieszczeczyńska von der Hochschule Zittau/Görlitz die Notwendigkeit dieser engen Zusammenarbeit. Zeitgleich zum Workshop fand für die restlichen Teilnehmer der Konferenz eine informative Stadtführung durch die Gastgeberstadt Jelenia Gora statt.

Abgerundet wurde die Konferenz von den beiden Kitas „Kinderschloss Sonnenschein“ aus Groß-Krauscha und „Schlumpfenhaus“ aus Deschka, die ihr grenzüberschreitendes Angebot präsentierten und erfrischend erläuterten wie die polnische Sprache in den Kita-Alltag integriert werden kann.

Weitere Informationen zur Konferenz sowie die Präsentationen zu den Vorträgen sind auf www.nachbarsprachen-sachsen.eu zu finden .

Das Projekt wird durch die Europäische Union aus den Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung im Rahmen des Kooperationsprogramms INTERREG Polen-Sachsen 2014-2020 mitfinanziert.

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