Frühkindliche Sprachförderung im europäischen Kontext

In den zurückliegenden Wochen haben wir als LaNa die Chance für den berühmten „Blick über den Tellerrand“ genutzt und uns in verschiedenen Online-Veranstaltungen zur frühkindlichen Sprachbildung informiert, weitergebildet  und unsere Kompetenzen in den Diskurs eingebracht. Spannend für uns war dabei auch die Einordnung unserer Bemühungen um frühe nachbarsprachige Bildung in den Kitas der sächsischen Grenzregionen in übergeordnete europäische Kontexte:

Perspektiven für eine verstärkte frühkindliche Sprachpolitik in Europa

Im Sommer wird unser Nachbarland Tschechien die EU-Ratspräsidentschaft von derzeit Frankreich übernehmen, gefolgt dann 2023 von Schweden. Diese drei Länder haben ein gemeinsames Programm, das sogenannte „Programm der Trio-Ratspräsidentschaft“, mit Schwerpunktthemen für die 18 Monate ihrer Präsidentschaft festgelegt. Darin ist die Förderung der Mehrsprachigkeit ein grundlegendes Element. In diesem Kontext lud die Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland zusammen mit den französischen und tschechischen Botschaften sowie dem Institut français am 28.03.22 zu einer Podiumsdiskussion zum Thema »Perspektiven für eine verstärkte frühkindliche Sprachpolitik in Europa« ein. Dabei wurden auch 10 Vorschläge für eine verstärkte frühkindliche Sprachförderung in Europa als Beitrag für die Konferenz zur Zukunft Europas diskutiert – verbunden mit einem klaren, wissenschaftlich begründeten Votum für mehrsprachiges Aufwachsen und mehrsprachige Bildungsaktivitäten von Klein auf.

Konferenz zur Förderung des Tschechischunterrichts in Deutschland

Diese Konferenz fand am 07.04.22 auf Einladung des Tschechischen Ministeriums für Schulwesen, Jugend und Sport im Rahmen des deutsch-tschechischen Strategischen Dialogs und in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds statt.

Wir als LaNa waren eingeladen, unsere Expertise zum Tschechisch lernen in den Kitas der sächsischen Grenzregionen einzubringen. Frau Dr. Gellrich berichtete in ihrer Präsentation auf Basis unserer Monitoring-Daten  von den Aktivitäten in den rund 65 im Bereich der frühen nachbarsprachigen Bildung aktiven Kitas, über lebendige grenzüberschreitende Kita-Partnerschaften, das Euroregionale Kita-Netzwerk der EUREGIO EGRENSIS als Beispiel guter Praxis sowie über Unterstützungsinstrumente der LaNa wie den Online-Wegweiser NiKiS.  

Natalie Käser vom Tandem – Koordinierungszentrum deutsch-tschechischer Jugendaustausch berichtete im Anschluss über Begegnungen der bayerischen Vorschuleinrichtungen mit Tschechien und den Fachkräfteaustausch im Vorschulbereich. Auch Fördermöglichkeiten von Tandem und dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds sowie Angebote zur Sprachanimation von Tandem wurden thematisiert.

Die sich anschließende Diskussion machte erneut deutlich, dass das gemeinsame Lernen deutscher und tschechischer Kinder in Kitas und Schulen in den Grenzregionen ein großer Schatz ist, der zur Normalität werden muss. Dafür sind nicht nur kontinuierliche Rahmenbedingungen für die Bildungseinrichtungen erforderlich, sondern es sind u. a. auch Regelungen für den Kita- bzw. Schulbesuch im Nachbarland zu treffen – ein klarer Auftrag an die Arbeitsgruppen des Strategischen Dialogs.

„Mehrsprachigkeit ist ein Marathon, kein Sprint“

Dies wurde auf beiden Veranstaltungen immer wieder von unterschiedlichen Rednerinnen und Rednern hervorgehoben und der Satz hat sich uns eingeprägt. Unsere Erfahrung – in der LaNa, in den Kitas, … – ist keine andere: Wir brauchen für unser Engagement für frühe nachbarsprachige Bildung in den Grenzregionen kontinuierliche, verlässliche Rahmenbedingungen und es braucht durchgängige Bildungskonzepte zur Förderung der Mehrsprachigkeit, beginnend in den Kitas und nahtlos weiterführend in den Schulen. Lasst uns gemeinsam weiter daran arbeiten – für unsere Kinder und für die Zukunft unserer europäischen Grenzregionen!

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