Sprachenland Niederösterreich Teil 1: Nachbarsprachen in Kindergärten

logo In Niederösterreich wird im Rahmen der NÖ Sprachenoffensive seit 13 Jahren das Erlernen der Nachbarsprachen Tschechisch-Slowakisch-Ungarisch in Kindergärten und Schulen angeboten. Die umgesetzten Projekte haben zu sozio-kulturellen Entwicklungen in diesen Grenzregionen wesentlich und positiv beigetragen. Mit der Förderung von interkulturellen Kompetenzen und der Kenntnisse in den Nachbarsprachen vom frühen Kindesalter an wird der Grundstein für zukünftige grenzüberschreitende Kooperationen sowie zur flexibleren Mobilität am gemeinsamen Arbeitsmarkt gelegt.

fotoSeit dieser Zeit wird in über 100 NÖ Landeskindergärten in den Grenzregionen den Kindern die Nachbarsprache spielerisch angeboten. Sei es in den früheren Projekten wie im Projekt „IB-KE“ – Interkulturelle Bildung für Kinder und Erwachsene  und im Projekt „IB-KSP“ – Interkulturelle Bildung für Kinder, Schüler und Pädagogen, oder im aktuellen Projekt „BIG“ – Bildungskooperationen in der Grenzregion.

Das neue Projekt „BIG“ des Programmes Interreg V-A Österreich – Tschechische Republik baut auf bisherige Ergebnisse, Erfahrungen und Netzwerke auf. Im Fokus stehen die Weiterentwicklung der nachbarsprachlichen Bildung sowie die Pflege und Vertiefung der grenzüberschreitenden Kontakte zwischen den Bildungsinstitutionen und den Menschen der Grenzregionen.

In den NÖ Landeskindergärten vermitteln erfahrene Muttersprachliche Mitarbeiterinnen die Nachbarsprache Tschechisch. Die Sprache wird immer kindgerecht und spielerisch angeboten und zugleich in lebensechten Situationen, die zum Alltag der Kinder in diesem Alter gehören. Muttersprachliche Mitarbeiterinnen werden bei ihrer Sprachenvermittlung in den Kindergärten von Projekt- Expertinnen für das frühe Fremdsprachenlernen methodisch begleitet und unterstützt, damit alle Prinzipien des vorschulischen Sprachenlernens berücksichtigt werden und die Kinder auf den Weg zur Mehrsprachigkeit motiviert werden. Im Kontakt mit der Muttersprachlichen Mitarbeiterin erwerben Kindergartenkinder in NÖ auf eine natürliche Art und Weise nicht nur die Sprache selbst, sondern zugleich auch ein Teil der Alltagskultur des Nachbarlandes. Sie singen typische Lieder, spielen Spiele und hören Märchen und Geschichten des Nachbarlandes. Beim gegenseitigen Treffen mit gleichaltrigen Kindern im Nachbarland, bei sogenannten Partnerschaftsbesuchen der Kindergärten über die Grenze, ist eine Interaktion unter den Kindern möglich und sie genießen diese Situationen auch sehr.

Für die Unterstützung der PädagogInnen bei der Förderung der Mehrsprachigkeit ist das methodische Handbuch für die Sprachvermittlung „Mehrsprachigkeit in den Kindergärten“ entstanden. Das Handbuch liefert den Muttersprachlichen Mitarbeiterinnen und PädagogInnen eine didaktisch-methodische Grundlage für die Entwicklung der Mehrsprachigkeit bei den Kindergartenkindern. Im theoretischen Teil wird auf die positiven Auswirkungen des frühen Fremdsprachenerwerbes eingegangen, im praktischen Teil werden didaktische Anleitungen und Tipps für die Sprachvermittlung geboten. Die praktischen Beispiele (Lieder, Spiele, etc.) stammen von den Muttersprachlichen Mitarbeiterinnen.

Im Laufe der Zeit haben die Muttersprachlichen Mitarbeiterinnen viele wertvolle praktische Erfahrungen mit der Vermittlung der Nachbarsprachen gesammelt. Diese Erfahrungen bildeten für die Expertinnen des Projektes die Basis für die Erstellung eines methodischen Konzepts des Sprachangebots, unterlegt und ergänzt  mit Erkenntnissen aus der sprachdidaktischen Fachliteratur. Der auf diese Art und Weise entstandene Text des Konzepts „Frühes (Fremd)Sprachenlernen als Schlüssel zur Welt“ wurde zum Bestandteil des niederösterreichischen Bildungsplanes für Kindergärten. Expertinnen haben außerdem in den einzelnen Kindergärten hospitiert und diese Kindergartenbesuche dokumentiert. Als Beispiel dieser Arbeit dienen die Fotodokumentationen „Tschechisch bzw. Slowakisch im Kindergarten“, die ebenfalls von Expertinnen erstellt wurden. Die bewährten Methoden und Erfahrungen des Sprachangebots in den einzelnen Kindergärten werden auch weiterhin von Muttersprachlichen Mitarbeiterinnen gesammelt, von Expertinnen als good practice Beispiele bearbeitet und in einem Leitfaden zum Thema lebensechte Situationen mit dem Fokus auf die Nahtstelle Kindergarten-Schule zugänglich gemacht. Das Material kann zur Weiterentwicklung der Qualität des Sprachangebots beitragen und an der Nahtstelle Kindergarten-Schule für die VolksschullehrerInnen als methodisches Handbuch dienen. Für die Kinder kann auf diese Weise die methodische Kontinuität ihres Nachbarspracherwerbs gesichert werden und sie können auch in der Schule an ihr Sprach- und Lernwissen anknüpfen.

Wie es insgesamt in der Schule mit dem Nachbarsprachenlernen in Niederösterreich weitergeht, erfahren Sie im Monat August in Teil 2 des Beitrags.

Übrigens: Das NÖ Sprachenzentrum hat uns freundlicherweise die im Beitrag benannten methodischen Materialien für unsere Materialbibliothek zur Verfügung gestellt. Sie finden Sie zum Herunterladen auf https://www.nachbarsprachen-sachsen.eu/de/materialbibliothek.html. Lassen Sie sich inspirieren und profitieren Sie vom reichen Erfahrungsschatz unserer Kollegen/innen aus Niederösterreich – wir wünschen viel Spaß beim Stöbern!

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