Rückblick: Expertenbeirat diskutiert Umsetzung der Handlungsempfehlungen

Der Expertenbeirat diskutiert zu aktuellen Bildungsthematiken.

Am 9. November tagte der Expertenbeirat „Frühe nachbarsprachige Bildung in Sachsen“ im Landratsamt Stollberg. Der Vormittag stand ganz im Zeichen der kritischen Auseinandersetzung mit aktuellen Herausforderungen im Bereich der frühen Nachbarsprachbildung in Sachsens Grenzregionen und der Diskussion daraus resultierender weiterer Arbeitsschritte der LaNa. Grundlage waren die Handlungsempfehlungen, die sich aus der Bestandsaufnahme 2014/15 ableiten. Der Nachmittag wurde genutzt, um Einblicke in die Kita-Praxis zu erhalten. Vorgestellt wurde die Arbeit von fünf Einrichtungen aus dem Erzgebirgskreis, die ihre Kinder an die Nachbarsprache Tschechisch heranführen bzw. Kinder aus Familien betreuen, in denen Tschechisch als Muttersprache gesprochen wird.


Ein Schwerpunkt der Beratung war die Qualifizierung des pädagogischen Kita-Personals. Die LaNa stellte hierzu zunächst zentrale Ergebnisse vor, die im Rahmen einer Bestandsaufnahme zur Thematisierung der (frühen) Mehrsprachigkeits- bzw. Nachbarsprachbildung in der Erzieher/innen-Ausbildung in den Fachschulen der sächsischen Grenzlandkreise erarbeitet wurden. Daraufhin diskutierten die Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Bildung und Regionalentwicklung Entwicklungsbedarfe in diesem Bereich. Einig war man sich darüber, dass der sensible Umgang mit Mehrsprachigkeit in der Kita – nicht zuletzt auch aufgrund der aktuellen Asylthematik – zunehmend an Bedeutung für die pädagogische Arbeit in den Kitas gewinnt und die künftigen Erzieher/innen bereits im Rahmen der Ausbildung dafür sensibilisiert und qualifiziert werden müssen. Gerade der grenznahe Raum zu den Nachbarländern Polen und Tschechien bietet hierfür besondere Möglichkeiten, die stärker im Rahmen der Ausbildung genutzt werden sollten. Dazu sind nicht zuletzt auch Rahmenbedingungen zu verbessern.

Dies bestätigten auch die Kita-Leiterinnen aus ihrer Perspektive der Kita-Praxis. Neben der Betreuung von Kindern aus Familien, in denen als Erstsprache Tschechisch gesprochen wird, seien zunehmend Kinder aus anderen Kulturräumen zu betreuen. „Durch die Nachbarsprachbildung in unserer Kita sind wir die Betreuung anderssprachiger Kinder gewissermaßen gewöhnt. Uns macht es daher auch weniger Angst, dass nun auch Kinder aus ganz anderen Ländern in unsere Einrichtungen kommen“, meinte eine Kita-Leiterin. Konsens herrschte sowohl bei den Mitgliedern des Beirats als auch bei den Vertretenden der Kitas darüber, dass über (frühe) Nachbarsprachbildung generell auch für die Arbeit mit Kindern aus anderssprachigen Ländern und Kulturräumen sensibilisiert wird und dies eine interkulturell offene Einstellung im Kita-Team fördert. „Die Kinder haben da weniger Probleme. Da redet ein deutsches Kind auf Deutsch mit einem Kind aus dem Nachbarland, das ihm dann auch Tschechisch antwortet. Die verstehen sich irgendwie und sie sind unvoreingenommener als wir Erwachsenen“, reflektiert eine Leiterin.

Ein weiteres Thema der Sitzung des Expertenbeirates war der Übergang von der Kita in die Grundschule, wobei die hier oftmals nicht gegebenen durchgängigen Bildungslinien bzgl. des Nachbarspracherwerbs kritisch betrachtet wurden. Das Thema soll nun im Rahmen einer Fachtagung näher beleuchtet werden,  die die LaNa 2016 in Zusammenarbeit mit der Sächsischen Bildungsagentur organisieren wird. Außerdem wurde die Wichtigkeit eines regelmäßigen Monitorings bzgl. Nachbarsprachangeboten und -aktivitäten in den Kitas der sächsischen Grenzräume betont, um hier u. a. auch die Brücke zu den entsprechenden Schuldaten herzustellen und ein kontinuierliches Angebot zu fördern.

Nicht zuletzt durchzog die Problematik des Einsatzes polnischer bzw. tschechischer Muttersprachler/innen in den Kitas und die damit verbundene Frage der Anerkennung der in Polen und Tschechien erworbenen Berufsabschlüsse die gesamte Debatte des Tages.

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