Ergebnisse der Online-Befragung von sächsischen Kitas

(Autorin: Mariann Schönfelder)
Im Rahmen ihrer Bestandsaufnahme zu den Aktivitäten im Bereich der frühen nachbarsprachigen Bildung in Kitas der sächsischen Grenzregionen hat die LaNa seit März intensiv an einer tiefer gehenden Analyse gearbeitet. Zur Arbeitstagung  „Auf dem Weg zur Nachbarsprache von Anfang an in Sachsens Grenzregionen“ Ende Juni wurden erste Resultate vorgestellt und mit etwa 100 Expertinnen und Experten diskutiert. Mithilfe einer empirischen Untersuchung auf Basis eines Online-Fragebogens wurden diejenigen Kitas in den sächsischen Grenzregionen befragt, welche bei einer ersten telefonischen Befragung 2014 angegeben haben, sich aktiv im Bereich der nachbarsprachigen Bildung zu engagieren. Bei der Befragung dieser 65 „aktiven“ Kitas konnte ein Überblick erlangt werden, mit welchen Methoden jede einzelne Kita arbeitet und welche Rahmenbedingungen sie dabei nutzt. Dank einer Rücklaufquote von 73,85 %, d.h. 48 von 65 „aktiven“ Kitas, kann die LaNa nun auf zahlreiche hilfreiche Informationen und das Expertenwissen der Kita-Leiter/innen zurückgreifen. Hierbei muss angemerkt werden, dass 7 der 48 Kitas während der Befragung angegeben haben, in 2015 nicht mehr im Bereich der frühen nachbarsprachigen Bildung aktiv zu sein. Somit haben letztlich 41 Einrichtungen ihre Praxis-Erfahrungen in den Entwicklungsprozess für eine gute nachbarsprachige Bildung vom Kindesalter eingebracht.

Die Leiter/innen dieser Einrichtungen wurden u.a. zu ihrer Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen, dem regelmäßigen Nachbarsprachlernangebot in ihrer Einrichtung und zu wichtigen Gelingensbedingungen bezüglich der Umsetzung sowie zu Herausforderungen bei der finanziellen Absicherung früher nachbarsprachiger Bildungsangebote befragt.
Ausgewählte Ergebnisse dieser Befragung können nun vorgestellt werden:

•    23 Kitas gaben an, mit einer Partnereinrichtung im Nachbarland zusammen zu arbeiten. Das entspricht mehr als der Hälfte der 41 teilnehmenden, aktiven Kitas (56%). Von den 18 Kitas, welche bisher keine Partnerschaft betreiben, gaben 11 (61%) an, Interesse an einer solchen zu haben. Die Gründe für eine fehlende Partnerschaft wurden gleichzeitig erfragt. Dabei wurde am häufigsten der mit der Pflege einer Partnerschaft verbundene zeitliche Aufwand genannt, gefolgt von fehlender Nachbarsprachkompetenz des eigenen Personals und fehlenden finanziellen Mitteln. Bei den Formen der gemeinsamen Aktivitäten mit der Partnereinrichtung handelt es sich oftmals um Aktivitäten, welche nur auf einen gewissen Zeitraum begrenzt sind. So werden themenbezogene, kurzfristige Begegnungen häufiger durchgeführt (Exkursionen zur Erkundung des Nachbarlandes, gemeinsame Feste und Feiern, etc.) als längerfristige, gemeinsame Projekte. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Kitas häufig  bei der Verständigung mit der Partnereinrichtung auf das Personal mit Deutschkenntnissen ebendieser zurückgreifen. Prinzipiell ist es so, dass die Kitas die Partnerschaft über Projektförderung finanzieren.

•    Etwa die Hälfte der teilnehmenden 41 Kitas gab an, ein regelmäßiges Nachbarsprachlernangebot (46%) zu unterbreiten. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass auch 16 der 19 Kitas, die angaben ein Nachbarsprachlernangebot zu unterbreiten, eine Zusammenarbeit mit einer Partnereinrichtung im Nachbarland pflegen. Das bedeutet, dass ca. 84 % der befragten Einrichtungen diese Formen der Nachbarsprachvermittlung gleichzeitig ermöglichen. Am häufigsten wird die Nachbarsprache in Form von Liedern und Reimen vermittelt (15 Antworten). Aber auch Sprachanimation und Immersion sind als Angebotsmethode fest verankert (jeweils 9 Antworten). In 95% der Fälle ist das Nachbarsprachlernangebot für die Eltern kostenfrei.

•    Eine Betreuung von Kindern mit Polnisch und/oder Tschechisch als Muttersprache erfolgt in 26 Kitas – insgesamt waren es 141 Kinder.

•    Als wichtige und sehr wichtige Gelingensbedingungen aus Sicht der Kita-Leiter/innen werden die Weiterführung nachbarsprachiger Bildungsangebote in der Grundschule, d.h. die Anschlussfähigkeit am Übergang von der Kindertageseinrichtung zur Grundschule, sowie das Image der Nachbarsprachen angesehen (jeweils 38 Antworten). Wenn nur die Kategorie „sehr wichtig“ betrachtet wird, so steht die Anerkennung der in Polen bzw. Tschechien erworbenen Berufsabschlüsse für die Einstellung nachbarsprachigen Personals in der Kita mit 22 Antworten an oberster Stelle. Aber auch die externen Beratungs- und Unterstützungsangebote für die Kitas (16 Antworten) und die spezielle methodisch-didaktische Kompetenz des pädagogischen Personals in der interkulturellen und mehrsprachigen Bildung (18 Antworten) hat für die Kitas sehr große Relevanz für die Umsetzung von nachbarsprachigen Bildungsangeboten.

•    In Bezug auf die finanzielle Absicherung nachbarsprachiger Absicherung sehen sich die Einrichtungen vor allem zwei sehr großen Herausforderungen gegenüber. Das sind zum einen die Finanzierung nachbarsprachiger Fachkräfte und zum anderen die Bereitstellung der Eigenmittel für die Projektförderung.

Gelingensbedingungen
Wichtige Voraussetzungen für die Umsetzung nachbarsprachiger Bildungsangebote in Kitas. (Klicken, um Grafik zu vergrößern.)

Auf Grundlage dieser Ergebnisse können im nächsten Schritt wichtige Handlungsbedarfe auf dem Weg zu einem nachhaltigen Nachbarsprachlernkonzept in Sachsen aufgedeckt werden. Dazu diente u. a. der Fachdiskurs auf der Arbeitstagung am 23.06. sowie die Auswertung der Bestandsaufnahme im Rahmen einer Masterarbeit. In einem Abschlussbericht werden nun alle Ergebnisse und Handlungsempfehlungen zusammengefasst und dem Expertenbeirat „Frühe nachbarsprachige Bildung in Sachsen“ vorgelegt, um gemeinsam die nächsten Entwicklungsschritte und damit auch die künftigen Arbeitsschwerpunkte der LaNa festzulegen.

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