Rückblick: Arbeitstagung zur Nachbarsprache von Anfang an!

150623 AT Drei_Land_Cafe_1„Auf dem Weg zur Nachbarsprache von Anfang an in Sachsens Grenzregionen“ – unter diesem Motto kamen am 23. Juni 2015 ungefähr 100 Expertinnen und Experten in St. Marienthal zusammen, um gemeinsam über den erreichten Stand in der frühen nachbarsprachige Bildung in Sachsens Grenzregionen zu diskutieren, diesbezügliche Bedarfe aufzudecken und die nächsten Meilensteine für die Weiterentwicklung zu planen. Das Teilnehmerfeld war dabei breit gefächert – angefangen von Vertretenden aus sächsischen Kitas und Grundschulen, deren Trägern und Kommunen, aus Jugendämtern der Landkreise und aus den Euroregionen bis hin zu Wissenschaft, Landespolitik und -verwaltung. Begrüßt werden konnten darüber hinaus auch zahlreiche Gäste aus anderen Bundesländern, aus Polen, Tschechien und Niederösterreich. So konnten vielfältige Perspektiven auf das Thema in den gemeinsamen Arbeitsprozess während der Tagung einfließen.

Eingeleitet wurde der Tag mit der Vorstellung zentraler Ergebnisse einer Bestandsaufnahme, die die Landesstelle Nachbarsprachen (LaNa) in den zurückliegenden Monaten durchgeführt hat und die Nachbarsprach-Aktivitäten von Kitas der sächsischen Grenzräume erfasst. Dabei sind auch erstmals Resultate einer tiefergehenden Analyse, u.a. zu Rahmenbedingungen und Herausforderungen im Bereich der frühkindlichen Nachbarsprachbildung, präsentiert worden. Diese wurden in einer sich anschließenden Podiumsdiskussion mit Mitgliedern des Expertenbeirats „Frühe nachbarsprachige Bildung in Sachsen“ diskutiert.

Der Nachmittag stand dann ganz im Zeichen des Erfahrungsaustauschs und des gemeinsamen Weiterdenkens. Miteinander ins Gespräch zu kommen – dafür boten nicht nur die Präsentationen entlang der Nachbarsprachmeile vielfältige Ansatzpunkte. Auch die in kleinen Workshops vorgestellten Beispiele guter Praxis der Umsetzung früher nachbarsprachiger Bildung in Kitas, aber auch ihrer Thematisierung in der Ausbildung und in der Öffentlichkeitsarbeit lieferten vielfältige Denkanstöße und wurden rege für Nachfragen genutzt.

Die Diskussionen – unter anderem zur Umsetzung von grenzüberschreitenden Begegnungen im Kita-Bereich oder zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse – wurden dann im Rahmen eines Dreiland-Cafés fortgesetzt, verbunden mit dem Auftrag an die Teilnehmenden, gemeinsam Handlungsempfehlungen und Vorschläge zur Weiterentwicklung der frühen nachbarsprachigen Bildung in Sachsens Grenzregionen in den Bereichen „Qualität“, „Rahmenbedingungen“ und „Image“  zu erarbeiten.
Das nach der Methode des World Cafes umgesetzte Konzept wurde durch Studierende des Studiengangs Kommunikationspsychologie der Hochschule Zittau/Görlitz begleitet. Sie sorgten – neben frischem Kaffee und kleinen polnischen und tschechischen Naschereien – für eine lockere, aber gleichzeitig auch zielführende Gesprächsatmosphäre an den Thementischen. Das führte zu unbefangenen, aber produktiven Gesprächen zwischen Vertretenden aus der Kita-Praxis, der Verwaltung, Aus- und Weiterbildung, Wissenschaft und Politik, ermöglichte das Eintauchen in verschiedene Perspektiven und das gemeinsame Aufarbeiten der vielfältigen Denkimpulse des Tages. Wichtige Gedanken wurden miteinander vernetzt und gleich auf der Papiertischdecke schwarz auf weiß festgehalten.

Die Ergebnisse der Tagung wurden in einer Abschlussrunde durch drei Expertinnen, die die Tagung aus verschiedenen Perspektiven beobachtet und deren Impulse aufgenommen hatten, zusammengefasst. Peggy Diebler (Transferagentur Mitteldeutschland), Sarah Girlich (Landeskompetenzzentrum zur Sprachförderung in sächsischen Kitas) und Dr. Stefanie Hildebrandt (Deutsche Kinder- und Jugendstiftung) richteten dabei nicht nur Empfehlungen an die Landespolitik und – verwaltung hinsichtlich des Abbaus von noch vorhandenen Hürden bei der Umsetzung nachbarsprachiger Angebote in den Kitas, wie z. B. der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Sie machten gleichzeitig auch deutlich, dass eine Qualitätsentwicklung nur im gemeinsamen Engagement aller relevanten Akteure in diesem Bereich möglich ist und die LaNa dabei eine wichtige Koordinierungs- und Dienstleistuingsfunktion inne hat.

Am Ende des Tages ist der Kopf sowohl der LaNa-Organisatorinnen als auch der Teilnehmenden voll mit Eindrücken und es ist deutlich geworden: Die Fülle an Themen, die an diesem Tag diskutiert wurden, die rege Teilnahme sowie die vielen zur Sprache gebrachten Bedarfe spiegeln wider, dass in Zukunft im Bereich der nachbarsprachigen Bildung noch einiges zu tun ist. Gleichzeitig haben das zum Ausdruck gebrachte Bewusstsein über die Potenziale der Nachbarsprachbildung sowie das vielseitige Engagement der unterschiedlichen Akteure auch gezeigt, dass der Weg zur Nachbarsprache von Anfang an in Sachsens Grenzregionen  bereits ein gutes Stück bereitet ist.

Die Ergebnisse der Arbeitstagung werden nun von der LaNa zusammenfassend aufbereitet und gemeinsam mit den Ergebnissen der Bestandsaufnahme veröffentlicht. Gleichzeitig wird daraus ein Fahrplan für die weiteren Arbeitsschwerpunkte der LaNa abgeleitet und mit dem Expertenbeirat abgestimmt, um künftig die Kitas besser in ihrer nachbarsprachigen Bildungsarbeit unterstützen und dabei noch vorhandene Hürden und Hemmnisse abbauen zu können. Erste Beratungen dazu sind bereits mit dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus sowie dem Expertenbeirat „Frühe nachbarsprachige Bildung in Sachsen“ terminiert.

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