Liebe ohne Grenzen

Ehepaar Liske
Foto: Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz mbH (ENO)

Iva und Frank Liske haben durch ihre Liebe zur Nachbarsprache gefunden

„Bei mir hat´s gefunkt. Ich wollte sie kennenlernen. Also musste ich ihre Sprache erlernen.“ Frank Liske hat 1987 durch seine Liebe zu Iva aus dem tschechischen Hodonín zur Nachbarsprache gefunden. „Wir haben uns anfangs russisch unterhalten.“, erinnert er sich. „Aber Spaß gemacht hat das nicht.“ So belegte der junge Mann 1988 einen Kurs an der Volkshochschule. Ein Jahr später fiel die Mauer. Die VHS-Kurse kamen wegen struktureller Probleme ins Stocken. Also kaufte sich Frank Liske Bücher und Tonträger, um im Selbststudium weiter zu lernen. „Ein halbes Jahr lebte ich dann bei Iva in Südmähren. So habe ich die Sprache richtig gelernt.“

Anfang der 1990er Jahre zog das Paar nach Kodersdorf in die Nähe von Görlitz. 1993 läuteten die Hochzeitsglocken. Zwei Töchter machten dann das Glück perfekt. „Wir haben uns entschieden, unsere Kinder zweisprachig aufwachsen zu lassen.“, berichtet Frank Liske. „Claudia und Veronika sollen ihren tschechischen Großeltern unbefangen begegnen können und sich in der Heimat der Mutter wohlfühlen.“

Heute ist die Familie Liske nicht nur sprachlich ein gutes Team. Alle vier arbeiten im Familienbetrieb. Iva ist Inhaberin eines Autohauses. Frank führt die Geschäfte der Car-Pro Akademie GmbH, die ein Fahrsicherheitszentrum in Görlitz betreibt. Die Begeisterung für Autos hat die gesamte Familie erfasst. Seit ihrem sechsten Lebensjahr fahren die Töchter Auto. Claudia wurde 2011 die wohl jüngste Fahrsicherheitstrainerin Deutschlands. Im Trainingsbereich ist die Sprachkompetenz für alle eine große Hilfe. „Wir haben gute Kontakte zum Straßenverkehrsamt beim Landkreis Liberec aufgebaut und grenzüberschreitende Projekte entwickelt. Und da das Polnische dem Tschechischen ähnelt, können wir uns auch im Ersatzteilverkauf gut mit unseren polnischen Kunden verständigen.“

Im Privatleben der Liskes spielt die Zweisprachigkeit ebenso eine große Rolle. So wird zu Hause tschechisch gesprochen, tschechisches Radio gehört und Fernsehen geschaut. „Der Blick aus der tschechischen Perspektive auf unsere Innenpolitik ist spannend.“, erklärt Liske. „Von der Offenheit dieser Art der Berichterstattung können wir partizipieren.“
Für Frank Liske macht Zweisprachigkeit Sinn. Es wäre schön, wenn die deutschen Mitbürger ihre Anspruchshaltung stärker hinterfragen würden: „Wir erwarten im Ausland immer, das Deutsch gesprochen wird. Diesen Maßstab sollten wir auch bei uns anlegen!“

Das sprachliche Aufeinanderzugehen ist eine Art Gehirnjogging. „Sprache hält fit im Kopf und ist ein Zeichen von Respekt für den Nachbarn.“, so Frank Liske.

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