Ein Dach für unsere Kulturen

De-CZ Kita-Begegnung Mai 2016
Quelle: Kita Waldhäusl (Zittau), Begegnung mit der Kita aus Prácheň (CZ) am 25. Mai 2016

Unter diesem Motto haben der Kindergarten Waldhäusl e. V. in Zittau und der Kindergarten und die Grundschule in Kamenický Šenov-Prácheň ein gemeinsames Projekt gestartet. Gefördert wird es mit rund 200000 Euro über das grenzübergreifende Kooperationsprogramm Sachsen-Tschechische Republik 2014-2020. Die LaNa sprach darüber mit der Leiterin des Waldhäusl e. V., Frau Glathe:

Frau Glathe, zunächst unseren Glückwunsch zur Bewilligung für Ihr deutsch-tschechisches Projekt. Wie kam es zu dem gemeinsamen Antrag und welche Ziele verfolgen Sie mit dem Vorhaben?

Vielen Dank! Die Freude über die Bewilligung war auch bei uns „grenzen-los“, da so eine Beantragung eine Vielzahl an bürokratischen Hürden, eine Menge Text und Zahlen sowie viel Geduld und Zeit beansprucht, die wir neben unserer täglichen Arbeit mit den Kindern bewältigt haben.
Die Idee zu dem Projekt entstand an einem Projekttag mit unserem Partnerkindergarten in unserer Lernwerkstatt „Erfinderkiste“ in Oderwitz. Da viele Kinder an unseren Projekten teilnehmen möchten und die Erfinderkiste auch von vielen anderen Einrichtungen besucht wird, war schon bald der Platz zu klein und wir suchten nach Möglichkeiten. Da kam uns der Gedanke der Erweiterung der Erfinderkiste, um mehr Platz für Begegnung, Spiel und Sprache zu haben. Bekanntlich sind jedoch die finanziellen Mittel knapp und so suchten wir nach potenziellen Unterstützern, die wir in der Neuauflage des Programms CIL3 – dem Kooperationsprogramm zur Förderung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Sachsen und der Tschechischen Republik 2014-2020 – fanden! So reiften Wünsche und erste Ziele, die wir dann in einem gemeinsamen Antrag formulierten.
Unsere Ziele liegen vor allem in den Bereichen Nachbarsprachbildung, interkultureller Kompetenzerwerb und grenzübergreifender Personaleinsatz. Genaueres finden Sie auf unserer Projekthomepage www.sprachwerkstatt-oderwitz.de.

Schwerpunkt des Vorhabens ist die frühkindliche Bildung durch Kennenlernen der Kulturen und Bräuche sowie der Sprachenerwerb beiderseits der Grenze. Wie wollen Sie dies umsetzen – was ist konkret geplant?
Das Projekt basiert auf Zusammenarbeit. Die Inhalte wurden gemeinsam so geplant, dass sie ineinander übergreifen und beide Seiten profitieren. Wir besuchen uns gegenseitig in der jeweiligen Einrichtung. Diese Begegnungen schaffen Vertrauen, welches die sichere Basis des Miteinanders ist. Über das gemeinsame Tun werden Grenzen durchbrochen.
Wir entwickeln bspw. gemeinsam eine Sprach-DVD in unserem neuen „Sprachkabinett“ in Oderwitz, die auch der Partnereinrichtung zugutekommt. Im Sprachkabinett können sich die Kinder in ihrer Landessprache mit
gemeinsamen Werten auseinandersetzen und zukünftig auch dem Anderen, bspw. beim Erlernen der tschechischen Tiernamen, helfen.
Zudem entstehen ein „Grünes Klassenzimmer“ und ein „Naturlabor“ in Kamenický Šenov-Prácheň, welches wir gemeinsam nutzen, um Kräuter in einem Beet anzulegen, zu ernten und zu bestimmen. Eine Kräuterschnecke und ein Sinnespfad werden ebenfalls angelegt. Die Kinder pflegen den Garten gemeinsam und übernehmen zusammen Verantwortung. So besteht die Möglichkeit praxisnah und unterrichtsorientiert Wissen zu vertiefen und zu erweitern.
Wir werden uns über traditionelle, landestypische Gerichte austauschen. Kräuter, die in der neu zu gestaltenden Kräuterschnecke in Tschechien geerntet werden, kommen beim gemeinsamen Kochen im „Kochkabinett“ in Oderwitz zum Einsatz. Das Kennenlernen der Kulturen ist ebenso wichtig, wie z.B. Bräuche oder eben auch besondere, landestypische Kochrezepte. Die Lust und Neugier, das Nachbarland zu entdecken, soll im Vordergrund stehen. Dabei spielt die Sprachausbildung die entscheidendste Rolle. Beim gemeinsamen Tun entsteht auch ein „Rezeptheft“, in welchem man dann die Lieblingsgerichte der Kinder aus Deutschland und Tschechien findet.
Miteinander lernen auch die Pädagogen bei gemeinsamen Workshops und durch den Pädagogenaustausch. Die Methodik fließt in die konzeptionelle Arbeit der Einrichtungen ein. Auch dadurch findet Vernetzung statt.
In allen Aktivitäten steht das Erlernen der Nachbarsprache im Vordergrund. Bei Besuchen mit unserem Kooperationspartner im Ökohof „Strěvlik/CZ“ können wir erfahren, wie Brot gebacken wird und wie viel Mühe und Aufwendung nötig sind, Brot herzustellen. Danach werden Brote im Kochkabinett Oderwitzgemeinsam gefertigt. So findet immer Vernetzung statt.
Wir entwickeln weiterhin eine neue Methodik in der Sprachausbildung, die eine Änderung der Konzeption nach sich ziehen wird. Entgegen dem Frontalunterricht lernen in unserem Projekt die Kinder die Sprache beim Tun. Dadurch wachsen auch Kinderfreundschaften, in welche auch die Eltern einbezogen sind und ebenfalls so zusammenfinden. Kinder lernen von klein an, sich zu verstehen und zu vernetzen. Somit schaffen wir Synergie-Effekte und erreichen zusätzliche Verflechtungen.

Wir freuen uns sehr auf diese spannende Zeit!

Und wie verständigen Sie sich mit Ihren tschechischen Partnern?
Bei unseren Treffen wird immer eine Dolmetscherin dabei sein. Zudem lernen je zwei PädagogInnen/ LernbegleiterInen auf deutscher und tschechischer Seite die Nachbarsprache. Vielleicht können sie uns dann zum Ende des Projektes auch sprachlich unterstützen. Und die Kinder verstehen sich auch ohne perfekte Sprachkenntnisse gut. Sie wickeln ihr Miteinander über gemeinsames Tun ab und tauschen sich auf ihre Art und Weise aus.

Ihre Kita ist schon seit vielen Jahren aktiv im Bereich der frühen nachbarsprachigen Bildung unterwegs: Welche Erfahrungen und Tipps können Sie anderen Kitas mit auf den Weg geben, wenn sie dieses Thema in ihre Arbeit integrieren wollen?
Für uns war und ist der Blick über die Grenzen hinweg schon immer ein wichtiger Punkt in der Entwicklung der Kinder. Wir möchten sie vielseitig stärken. Die Kinder brauchen abwechslungsreiche Entfaltungsmöglichkeiten und gute Sprachkenntnisse. Wir wollen, dass sie sich kreativ und offen in unserer Grenzregion entwickeln können. Dazu bedarf es Sicherheit, die wir von Kindesbeinen an fördern. Dies geschieht insbesondere über diese Projekte, in denen das Kennenlernen und das gemeinsame Miteinander eine wichtige Rolle spielen.
Wichtig ist zuerst die Suche nach einem passenden Projektpartner, der inhaltlich und konzeptionell nach gleichen Ansätzen arbeitet. Das Bild vom Kind muss stimmig sein. Dann ergeben sich schnell gemeinsame Projektthemen und der Wunsch sich gegenseitig auszutauschen. Bei finanziellen Angelegenheiten gibt es das oben genannte Programm, welches diesen Gedanken gern mit trägt und unterstützt. Dabei darf man sich von der Fülle von Anträgen und Formularen nicht entmutigen lassen.
Wenn es uns gelingt, daraus entstehende Partnerschaften und persönliche Freundschaften auf den Alltag zu projizieren, legen wir einen guten Grundstein für nachbarschaftliche und freundschaftliche Beziehungen zwischen beiden Ländern. Das liegt uns auch mit unserem Projekt am Herzen.

Die LaNa bedankt sich für das sehr interessante Gespräch und wünscht viel Freude und Erfolg bei der Umsetzung des Projektes. Gern berichten wir in unserem Blog regelmäßig über den Projektstand, die Erfahrungen und Ergebnisse, um diese auch anderen Kitas zugänglich zu machen.

 

 

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