Der Herbst zeigt dieses Jahr einmal mehr, wie lebendig die grenzübergreifende Kulturlandschaft zwischen Sachsen und seinen Nachbarländern ist. Zwei Festivals laden dazu ein, den Nachbarn nicht nur zu besuchen, sondern ihn mit allen Sinnen zu erleben: Die Tschechisch-Deutschen Kulturtage und der MandauJazz.
Teil 1: „ECHT?“ – die Tschechisch-Deutschen Kulturtage sind eröffnet
Am Abend des 29. Oktober haben die 28. Tschechisch-Deutschen Kulturtage mit einem Eröffnungskonzert im Dresdner Kulturzentrum SCHEUNE feierlich begonnen. Bis zum 15. November verwandelt das größte binationale Kulturfestival der Grenzregion, das unter dem Taktstock der Euroregion Elbe/Labe steht, die Region rund um Dresden und Ústí nad Labem in eine einzige Bühne: mehr als 130 Veranstaltungen aus Musik, Literatur, Theater, Film, bildender Kunst und öffentlichen Diskussionen – auf beiden Seiten der Grenze. Das diesjährige Motto „ECHT?“ lädt ein, hinter die Oberfläche zu schauen: Was ist wirklich? Wem schenken wir Vertrauen? Und wie bleiben wir miteinander im Gespräch?
Besonders spannend für alle Literaturbegeisterten: Weil Tschechien im Oktober Ehrengast der Frankfurter Buchmesse war, rückt das diesjährige Festivalprogramm die zeitgenössische tschechische Literatur ganz besonders in den Mittelpunkt. Zahlreiche Autorinnen und Autoren, die dort vor wenigen Wochen noch ihre Werke auf dem Ehrengast-Pavillon präsentiert haben, sind nun live in unserer Region zu erleben – von einer Konferenz zum Thema: „Tschechien – Land an der Küste“ über die Doppellesung von Tereza Semotamová und Ondřej Hübl in der SLUB bis hin zum Finale um den Dresdner Lyrikpreis, bei dem tschechisch- und deutschsprachige Poetinnen und Poeten ihre Texte gemeinsam mit ihren Übersetzerinnen und Übersetzern in beiden Sprachen vortragen.
Unser Tipp für einen Besuch beim Nachbarn in Tschechien:
Am 6. November um 18:00 Uhr lädt das Büro des Senators Přemysl Rabas in Chomutov zu einem Gespräch mit dem renommierten Dokumentarfotografen Ibra Ibrahimovič ein. Seine Wanderausstellung „Sozialfotografie“ zeigt in Schwarz-Weiß-Aufnahmen das Gedächtnis einer Landschaft: Nordböhmen, geprägt von Braunkohleabbau und vom Verschwinden ganzer Ortschaften. Die Ausstellung war zuvor bereits im sächsischen Kühnhaide zu sehen – Erinnerungsarbeit, die konsequent über die Grenze hinweg gedacht ist.
Das sollte man in Dresden auf keinen Fall verpassen!:
Am 5. November um 19:30 Uhr liest Radka Denemarková in der Zentralbibliothek im Kulturpalast Dresden aus „Schokoladenblut“. Die preisgekrönte Autorin gehörte zu den prägenden Stimmen des tschechischen Ehrengastauftritts in Frankfurt – nun kann man sie hier, ganz in der Nachbarschaft, erleben. Auch Jáchym Topol, eine der bekanntesten Stimmen der tschechischen Gegenwartsliteratur, liest bereits am 30. Oktober im Deutschen Hygiene-Museum aus „Die Hölle gibt es nicht“.
Das komplette Programm finden Sie unter tdkt.info/programm. Übrigens: Die Euroregion Elbe/Labe, in der die Kulturtage stattfinden, ist auch Partner der LaNa im Projekt Nachbarsprache von Anfang an! – Kultur und Nachbarsprache gehören für uns einfach zusammen.
Teil 2: „Drei Länder. Ein Klang.“ – MandauJazz in der Euroregion Neisse
Während in der Euroregion Elbe/Labe die Kulturtage laufen, klingt es im Zittauer Dreiländereck schon seit Ende September grenzüberschreitend: Das 31. MandauJazz Festival steht in diesem Jahr unter dem Motto „Drei Länder. Ein Klang.“ und bietet bis zum 28. November insgesamt 27 Konzerte an 19 Spielorten in zwölf Städten und Gemeinden – mit Musikerinnen und Musikern aus einem Dutzend Ländern, immer entlang der Mandau, mal in Sachsen, mal in Nordböhmen. Das vollständige Programm gibt es unter mandavajazz.cz.
Auch im November warten dort noch zahlreiche spannende kulturelle Begegnungen:
- 5.11., Hirschfelde (DE): St. Johnny bringen Jump Blues der 50er auf die Bühne der Alten Wäscherei.
- 7.11., Zittau (DE): Die Kafka Band vertont in treibenden Gitarren und dunklen Grooves Kafkas Romane „Das Schloss“, „Amerika“ und „Der Process“ – ein Hörgenuss auch für literarisch Interessierte.
- 20.11., Doubice (CZ): Das Kirill Yakovlev Trio erkundet zwischen Jazz, Rock und Ambient Klanglandschaften aus Stille und treibender Energie.
- 21.11., Zittau (DE): Ein Doppelkonzert mit Last Romantic Warrior (Funk, Neo Soul, Jazz Fusion) und dem Filip Żółtowski Quartet aus Gdańsk – junger polnischer Jazz für eine neue Generation.
- 25.11., Rybniště (CZ): Der britische Bluesrock-Gitarrist Ben Poole überzeugt mit kraftvollen Solis und intensiven Balladen.
- 26.11., Varnsdorf (CZ): Rozálie verbindet Chanson, Kabarett und Folk zu einer ganz eigenen tschechischen Liedkunst – mit feinem schwarzem Humor.
- 28.11., Zittau (DE): Zum Festivalabschluss erinnern Charles Brauer und Uschi Brüning mit Jazztrio weihnachtlich an Manfred Krug.
Der MandauJazz ist damit ein wunderbares Beispiel dafür, was Begegnungen über Grenzen hinweg ausmachen: Menschen aus Tschechien besuchen die Konzerte in Sachsen und umgekehrt – und die Sprache der Musik versteht jeder von Anfang an. Genau in diesem Geist arbeiten wir mit unseren Partnern in der Region auch für die Nachbarsprache von Anfang an!
Wir wünschen viel Freude beim Entdecken – und freuen uns, wenn Sie von Ihren grenzüberschreitenden Kulturerlebnissen erzählen.
