Alles nur Theater?

Vom 21. bis 26. April war das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz/Zittau Gastgeber des Sächsischen Theatertreffens. Alle sächsischen Schauspielhäuser waren mit hochkarätigen Inszenierungen zu Gast, aber auch befreundete

Partner-Theater des traditionellen J-O-Ś-Festivals aus Polen und Tschechien bereicherten das Programm.

Regina aus der LaNa nutzte diese einmalige Chance und ließ sich insbesondere auch von Stücken in den Nachbarsprachen einfangen.

So brillierte das Divadlo F. X. Šaldy Liberec mit AUDIENZ, einem Einakter aus der Vaněk-Trilogie von Václav Havel, aufgeführt in tschechischer Sprache. Im Schauspiel VON DEM GLÜCK, HRDLAK GEKANNT ZU HABEN nach dem gleichnamigen Roman von Janosch, einer Koproduktion des Zittauer Theaters mit dem Lubuski Teatr Zielona Góra, hingegen wurden gleich drei Sprachen auf der Bühne lebendig und vermischten sich – genauso wie im Oberschlesien der 1930er und 40er Jahre, in dem das Stück spielt.

Ja, es wurden in beiden Stücken Übertitel in deutscher Sprache eingeblendet. Und ja, das half selbstverständlich auch – neben der persönlichen Genugtuung, immer mal ein paar Sätze in der Nachbarsprache verstanden zu haben ;-) – beim tieferen Verständnis der Dialoge. Aber letztlich rückte doch durch das Theaterspiel die Sprachbarriere in den Hintergrund, fesselte die Geschichte durch die künstlerische Umsetzung in Bühnenbild und ausdrucksstarker Mimik und Gestik der Schauspieler und es blieb ein nachhaltiges Erlebnis eines tief berührenden, eindrucksvollen Theaterabends mit neuen Erkenntnissen über unsere gemeinsame wechselvolle Geschichte und das alltägliche Leben im deutsch-polnisch-tschechischen Grenzraum.

Was heißt das für uns und unser Engagement für nachbarsprachige Bildung?

Nachbarsprachige Bildung ist viel mehr als das Erlernen der Nachbarsprache! Indem wir die Sprache unserer Nachbarn mit ihren vielfältigen Facetten der authentischen Kommunikation als etwas Normales, Selbstverständliches und Bereicherndes in unserer Lebenswirklichkeit im Grenzraum begreifen, wird sie zur interkulturellen Brücke und hilft uns, unsere grenzübergreifende Region und die hier beheimateten Menschen besser zu verstehen.

Wie sagte doch Dr. Daniel Morgenroth, Intendant des gastgebenden Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau, so treffend in seinem Vorwort zum Festival-Programm:

„…Kunst kann uns helfen, die gedanklichen Schranken des Alltäglichen zu verlassen, indem

sie unsere Fantasie stimuliert. Sie kann uns inspirieren und beflügeln, jenseits von faktischen Beschränkungen wie Raum, Zeit oder

sogar Geld, neue Möglichkeiten, neue Lebensweisen und Welten zu erdenken und erkunden….“

Lassen wir uns immer wieder aufs Neue darauf ein!

Mehr Informationen unter https://www.g-h-t.de/de/stt/