Witaj kann Vorbild für andere Sprachen sein

(Autor: Andreas Kirschke für Serbske Nowiny und SZ-Niesky)

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Dr. Regina Gellrich, Leiterin der Landesstelle Nachbarsprachen, im Gespräch mit Andreas Kirschke von der Serbske Nowiny.

Das 1998 vom Sorbischen Schulverein entwickelte und eingeführte Modellprojekt Witaj kann im grenznahen Raum Vorbild für die frühe Sprachbildung in Polnisch und Tschechisch sein. „Witaj ist methodisch und didaktisch Vorreiter. Es ist wissenschaftlich begleitet. Und es ist ein gutes Beispiel früher sprachlicher Bildung“, unterstrich Dr. Regina Gellrich, Leiterin der Sächsischen Landesstelle für frühe nachbarsprachliche Bildung am Landratsamt Görlitz, jüngst beim 4. Fachtag der Netzwerkstelle Kulturelle Bildung des Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesien.

Das Thema im Haus Klingewalde hieß „Kulturelle Bildung im früh-kindlichen Bereich. Frühzeitige Sprachbildung heißt solide Weltbildung“. Über 70 Erzieherinnen, Lehrerinnen, Tagesmütter, Studentinnen und Vertreter aus Bildungseinrichtungen nahmen teil. Sie kamen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie bis aus Legnica und Wrocław (Polen).

Regina Gellrich unterstrich ihre tiefe Zukunftsvision. Kinder im grenznahen Raum sollten mehrsprachig aufwachsen. Dies sollte flächendeckend, nachhaltig und durchgehend ab Kindertagesstätte bis Schule möglich sein. 2014 gab es durch die Landesstelle eine Bestandsaufnahme. Befragt wurden Kitas entlang der 576 Kilometer langen sächsisch-polnischen und sächsisch-tschechischen Grenze. „65 von 902 befragten Kitas im sächsischen Grenzraum unterbreiteten mehrsprachige Angebote. Die Hälfte dieser Einrichtungen waren im Kreis Bautzen und im Kreis Görlitz vertreten. Weitere 64 Kitas hielten früher Angebote vor. Sie waren jedoch nicht mehr aktiv“, so Regina Gellrich. „Weitere 14 Kitas signalisierten Interesse. Mindestens 143 Kitas sehen wir als potentielle Zielgruppe für die Weiterentwicklung.“ Ziel müsse es sein, eine systematische Sprach-Bildung und Sprach-Förderung in hoher Qualität auf den Weg zu bringen. Dafür tritt die seit September 2014 bestehende Landesstelle ein. Am 23. Juni organisiert sie in Ostritz die Arbeitstagung „Auf dem Weg zur Nachbarsprache von Anfang an in Sachsens Grenzregionen“. Diese findet im Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal statt. In Kürze will die Landesstelle regelmäßig einen Newsletter herausgeben. Geplant ist ein thematischer Internet-Blog zum Thema frühe sprachliche Bildung unter www.nachbarsprachen-sachsen.eu. „Frühe Zweisprachigkeit stärkt die Persönlichkeits-Entwicklung. Sie fördert die Entwicklung des Gehirns. Sie stärkt die muttersprachliche Kompetenz. Und sie wirkt sich positiv auf das Erlernen weiterer Sprachen aus“, unterstrich Regina Gellrich. Zudem fördert frühe Zweisprachigkeit schon zeitig Weltoffenheit und Toleranz in den Kindern.

In der Praxis leben dies die Freie Grundschule „Regenbogen“ Görlitz-Weinhübel und die Grundschule „Tęcza“ Zgorzelec unter dem Dach des grenzüberschreitenden Bildungsträgers Deutsche Private Finanzakademie (DPFA) vor. „Ab Klasse 1 bieten wir Polnisch an“, erläuterte Kathrin Fiedler, Leiterin der Grundschule „Regenbogen“. „Jeder Schüler nimmt daran teil. Es beginnt mit ersten Grundworten und Begrüßungsregeln. Ab Klasse 1 gibt es auch Englisch. Wir haben das Glück, dass zwei polnische Muttersprachler und ein englischer Muttersprachler aus Irland bei uns unterrichten. Wir haben auch einmal wöchentlich Polnisch im Hort als Begegnungssprache.“

In der Grundschule „Tęcza“ Zgorzelec wiederum lernen Schüler von vier bis 13 Jahren. Als erste Fremdsprache wird Deutsch jeden Tag unterrichtet. Zweite Fremdsprache ist Englisch als Begegnungssprache. Heute lernen in der Schule 14 Klassen mit 260 Schülern insgesamt. Beide Grundschulen tauschen regelmäßig fachliche Erfahrungen aus. Sie treffen sich zu gemeinsamen Workshops. Sie organisieren auch gemeinsame Projekte wie Theater spielen, Singen, Tanzen, Ausflüge und kulturelle Veranstaltungen. Diese Zusammenarbeit wollen beide Grundschulen langfristig vertiefen und fortsetzen. Als eine von fünf Schulen in Sachsen erhielt die Freie Grundschule „Regenbogen“ Görlitz-Weinhübel 2013 durch Sachsen Europaminister Jürgen Martens das Gütesiegel „Europaschule in Sachsen“ verliehen. Damit wurde die gute Zusammenarbeit mit der Grundschule „Tęcza“ Zgorzelec gewürdigt. Wöchentliche Begegnungstage und gemeinsame Feste vertiefen jetzt die Kontakte. Interaktive Lerneinheiten, Werkstätten, Kochkurse, Sportspiele sowie Rate- und Bastel-Angebote werden spielerisch mit der polnischen und englischen Sprache verknüpft.

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