Die Moldau ist in der Elbe mit drin

Foto: Susanne Max

In regelmäßigen Abständen veröffentlicht die LaNa Geschichten von Personen unterschiedlichen Alters, die sich aufgrund verschiedener Anlässe und Motivationen den Sprachen und der Kulturen unserer Nachbarn in Polen und Tschechien geöffnet haben.

Heute stellen wir Ihnen in dieser Serie eine junge Frau vor, die Tschechien kennen und lieben gelernt hat, die die offene, unkomplizierte und naturverbundene Art der Tschechen schätzt und deren Sprache so gut spricht, dass sie auch Anerkennung seitens der Tschechen erfährt:

Susanne Max hat zwischen 2001 und 2004 an der trinationalen Neisse University im Bachelorstudiengang Informations- und Kommunikationsmanagement studiert. Durch ihre Studienaufenthalte an der Technická univerzita in Liberec und an der Politechnika Wrocławska in Jelenia Góra sowie einer gemischten Gruppe Studierender aus Deutschland, Polen und Tschechien, entdeckte sie ihr Interesse für die Nachbarländer und deren Sprachen. Sie beendete ein sich anschließendes Masterstudium der Informatik, arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin einige Zeit an der Hochschule Zittau-Görlitz und versuchte schließlich ihr berufliches Glück bei einem IT-Unternehmen in Prag. „Das Arbeitsumfeld in diesem Unternehmen war hauptsächlich englisch geprägt“, sagt Susanne und sie verbrachte von Prag aus auch mehrere projektgebundene Auslandsaufenthalte in Österreich und Großbritannien.

Später wechselte sie hin zu einer Unternehmensberatung in Prag mit osteuropäischem Fokus, wo sie in gestalterischen Marketingprojekten ihre Leidenschaft fand. „Auch in dieser Arbeit dominierte die englische Sprache, Tschechisch sprach ich nur privat. Mein Freund war Slowake, da habe ich zum Teil ein lustiges, slowakisch eingefärbtes Tschechisch mitbekommen.“, sagt Susanne rückblickend.

In Prag begegnete sie unzähligen sogenannten Expats, also z.B. Engländer, Amerikaner, auch Australier, die als Fachkräfte mehrere Jahre ins Ausland gehen und für internationale, englischsprachige Firmen arbeiten. „Diese geben sich wenig Mühe, die einheimische Sprache zu lernen. Das ist auch wirklich schwer, wenn man aus dem angelsächsischen Sprachraum kommt. Aber zu denen wollte ich eigentlich nicht gehören.“, sagt Susanne und führt an, dass sie sich zusätzlich in firmeninternen Tschechisch-Sprachkursen weitergebildet hat. Damit hatte sie auch Erfolg, nur anwenden konnte sie ihre Tschechischkenntnisse beruflich leider kaum.

Mit ihren erworbenen gestalterischen Fähigkeiten bewarb sich Susanne schließlich erfolgreich als Webdesigner in Prag bei einem Amerikanischen Radiosender, der Nachrichten via Radio, Internet, Video und Podcasts in die Länder der ehemaligen Sowjetunion, als auch nach Iran, Irak oder Afghanistan überträgt. Dort fühlte sie sich in einem sehr interessanten und buntgemischten internationalen Team sehr wohl und beschreibt diese Arbeitsstätte als  „eine mittelgroße eigene Welt in einem panzerglasgeschütztem Büroneubau mit Blick auf Franz Kafkas Grab auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Prag Strašnice.“

Susanne sei aber nicht nur von der Architektur in Prag, sondern vom ganzen Land begeistert, was mit „atemberaubenden Schlössern, Burgen und schönen Gotteshäusern nur so gepflastert ist“, sagt sie. Man käme dabei nicht umhin z.B. auch viel von der jüdischen Vergangenheit zu erfahren. So hat sie u.a. Gefallen an der Legende von Golem gefunden, der noch auf dem Dachboden der Altneusynagoge in Prag schlafen soll.

Trotz ihrer Liebe zum Land und einem prima Kollegium begann das Heimweh an Susanne zu nagen. „Für viele mag Prag der Traum sein, aber ich bin eben keine Großstädterin.“, sagt sie mit Blick auf ihre Zeit in der Stadt. Die Beziehung zu ihrem Freund ging zu dieser Zeit auch in die Brüche, so dass Susanne Max beschloss, wieder nach Sachsen zurückzukehren: „Internationale Paare müssen ganz schön große kulturelle Unterschiede überwinden, das sieht man am Anfang natürlich nicht durch die rosa Brille. Ich kam z.B. nicht damit zurecht, dass in Teilen der Bevölkerung von Tschechien die Rolle der Frau durchaus noch recht stereotyp beschritten wird.“ So zogen Susanne und ihr Partner vor allem wegen der Natur und dem bezahlbaren Wohnraum in das Stadtrandgebiet von Prag, wo sie fast ausschließlich von Nachbarn und Bekannten umgeben waren, für die das ideale Familienbild Haus, Auto, Hund, 2 Kinder bedeutete. Der gefühlte soziale Druck wuchs auch von Seiten der tschechischen und viel mehr noch der slowakischen Familie auf das junge Paar, diesem Ideal gerecht zu werden. „Das kannte ich aus Deutschland und von meiner Familie nicht. Deutsche Jugendliche können mehr Freiheit erleben und sich ausprobieren, der lange Arm der Großfamilie greift da nicht so stark.“

Zurück in ihrer Heimatstadt Dresden, arbeitet Susanne nun u.a. auch kreativ für einen Onlinehandel und widmet sich auch hier ihrem größten Hobby, dem  Stehpaddeln oder Standup Paddling. Sie hat begonnen, sich die Elbe, das Elbtal und die angrenzenden Gewässer auf diese Weise zu erkunden. „Meine Zwischenheimat Tschechien ist bei diesem Hobby immer mit dabei, da das Wasser der Moldau ja in der Elbe mit drin ist, da die beiden Flüsse ab Melnik ja vereint gen Deutschland fließen!“ Auch auf Binnengewässern Sachsens, z.B. dem Bärwalder See bei Bautzen ist sie paddelnd unterwegs. In der Grenzregion zu Tschechien begegnet sie auch vielen Einheimischen des Nachbarlandes, mit denen Susanne sich dann gut unterhalten kann und ihr Tschechisch immer wieder gern auf die Probe stellt, um von den schönen Erinnerungen an ihre Zeit in Tschechien zu berichten.

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