Eine Zukunft im Nachbarland gefunden

Foto: privat

„Ich komme aus Jablonec nad Nisou, einer Kleinstadt im Norden von Tschechien. Es ist ein Ort, in dem man nichts geschenkt bekommt.“, sagt Daniel Večeřa über seine Heimat im Dreiländereck Tschechien, Polen, Deutschland. „Ich würde mich eher als Durchschnittstscheche bezeichnen und versuche stets aus den gegebenen Voraussetzungen das Bestmögliche herauszuholen.“

So wollte Daniel hinaus in die Welt und dachte nach dem Schulabschluss zunächst an ein Stipendium für England oder die USA. Aus Kostengründen schaute er schließlich ins Nachbarland Deutschland. Die sprachlichen und kulturellen Grundlagen hatte er durch den schulischen Deutschunterricht und Schüleraustauschprogramme in Bayern erhalten. „Diese ersten Erfahrungen haben es mir einerseits ermöglicht, die deutsche Sprache später schneller auf das Niveau zu bringen, welches für ein Studium in Deutschland benötigt wurde. Andererseits waren alle Leute so hilfebereit und freundlich, dass ich das Gefühl hatte, dass Deutschland der Himmel auf Erden ist.“

Die Schönheit der deutschen Sprache habe er jedoch erst später über die deutsche Musik, Dichtung und im Theater kennengelernt, führt Daniel an.

Über Zittau und einen Intensivsprachkurs Deutsch an der Technischen Universität Dresden ist er schließlich zum Studium der Wirtschaftswissenschaften an die TU gekommen. Rückwirkend betrachtet, ist er mit seiner Entscheidung ins heimatnahe Dresden zu gehen, sehr zufrieden. „Die Information, dass es in Dresden eine Uni gibt, das Leben dort relativ bezahlbar ist und mehr als zehnfach so viele Einwohner in Dresden leben als in Jablonec, reichte für diesen Schritt.“ Einige anfänglichen bürokratischen und administrativen Hürden, z.B. beim Ausfüllen der Bewerbungsunterlagen, galt es zunächst zu überwinden. Der Studienbeginn und das Zusammenfinden vieler neuer und unterschiedlicher Menschen im Erstsemester ließen Daniel auf neue Bekanntschaften hoffen. Das Dresdner Studentenleben und die, wie Daniel meint, „lockeren Rahmenbedingungen“ der hiesigen Universität, ließen ihm ausreichend Freiraum für freiwilliges Engagement in studentischen Vereinen. „Ein wichtiger Bestandteil meiner Freizeit war die Teilhabe im Debattierclub und in einem studentischen Beratungsverein, der Unternehmen aus der Region berät.“ Der weitere Ausbildungsweg führt Daniel Večeřa nun zum Masterstudium der Betriebswirtschaftslehre an die Humboldt-Universität nach Berlin.

Daniel hat das Leben und die Menschen in Deutschland inzwischen schätzen gelernt. „… vor allem die altruistische Einstellung, die `deutschen Regeln´ und die gegenseitige Zusammenarbeit …“, sind ihm wichtig geworden. „Die Deutschen wissen aber auch, wie man Kleinigkeiten genießt. Und wenn es ums Essen geht, mag ich das ausgiebige deutsche Frühstück am liebsten“. Sympathisch findet er auch den sogenannten Feierabend nach getaner Arbeit.

An eine Rückkehr in seine eher kleine Heimatstadt denkt Daniel erst einmal noch nicht. Er fühlt sich wohl in großen Städten, denkt über eine mögliche Zukunft in Prag oder einer andern europäischen Großstadt nach. Seiner Meinung nach, „besteht zwischen Deutschland und Tschechien noch eine massive Gehaltslücke. Die ließe sich durch eine Intensivierung der grenzüberschreitenden Kooperation im grenznahen Raum, das bilaterale Pendeln von Arbeitskräften aber schließen und z.B. meine Heimatregion, die Euroregion Neisse-Nisa-Nysa, wirtschaftlich beleben.“ Das Potential sei gegeben, so Daniel Večeřa. Landschaftlich sei seine Heimat mit den Bergen und Seen übrigens eine der „besten Ecken Tschechiens“.

Abschließend führt Daniel an: „…insgesamt muss das grenzbezogene Denken abgelegt und interkultureller Austausch verstärkt werden. Schüleraustausche und gute Sprachgelegenheiten auf Märkten, während grenzüberschreitender Seminare und Ausflüge sind eine Grundlage für Kooperationen.“ Dafür möchte er sich nach seinem Berufseinstieg nicht nur finanziell stark machen.

2 Gedanken zu „Eine Zukunft im Nachbarland gefunden“

  1. Lieber Daniel,
    wir können Dir ein Praktikum in der Sächsischen Staatskanzlei, Referat Internationales oder dem sächsischen Verbindungsbüro in Prag während deines Studiums anbieten. Wenn du daran Interesse hast, melde dich einfach!
    Beste Grüße
    Ines Mezera, Sächsische Staatskanzlei, Ref. Internationales

    1. Sehr geehrte Frau Mezera,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Ihr Angebot leiten wir gern an Herrn Večeřa weiter. Wir freuen uns, dass unser Blog rund um das Thema „Nachbarsprache von Anfang an!“ in Sachsens Grenzregionen auf so eine Resonanz stößt.

      Mit freundlichen Grüßen
      Das Team der Landesstelle Nachbarsprachen

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