Sächsische und polnische Erzieherinnen und Erzieher besuchen Kitas im Nachbarland

Bei unserer deutsch-polnischen Fortbildung „Groß für Klein – Duzi dla małych: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit zur Förderung der interkulturellen und nachbarsprachigen Bildung im Bereich der Vorschulerziehung“  sind der Erfahrungsaustausch und das Voneinander lernen der teilnehmenden sächsischen und polnischen Kita-Fachkräfte grundlegende Elemente.

Im Mai und Juni standen deshalb gegenseitige Studienbesuche in den Kitas im Nachbarland auf dem Programm.

Die Teilnehmenden konnten dabei den Erzieheralltag hautnah erleben und gleichzeitig ganz praktisch ihre im Projekt erworbenen methodischen Fähigkeiten an die Kinder weiter geben.

Am 14. und 18. Mai wurden 8 Kitas im Landkreis Görlitz von den polnischen Erzieherinnen und Erziehern besucht. Am 05. Juni freuten sich die Kinder zweier polnischer Kindertagesstätten in Lubań und Gryfów Śląski über die Abwechslung mit dem deutschen Besuch.

Dabei hatten die Kita-Pädagoginnen und -Pädagogen interessante Angebote für die Kinder vorbereitet, so zum Beispiel Sprachanimationen und Bastelangebote zum Kennenlernen von Kultur und Landeskunde oder sogar Sportaktivitäten, die Sprache und Bewegung kombinierten.

Ein Beispiel für einen solchen Studienbesuch in einer deutschen Kita ist die katholische Kindertagesstätte „Zum heiligen Schutzengel“ in Görlitz. Hier wurde von den polnischen Kolleginnen eine Gruppe von Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren begleitet.

Am Vormittag haben die polnischen Erzieherinnen das Tagesprogramm der Kinder mitgestaltet. Mittels einer Handpuppe wurden die Kinder dazu angeregt, sich auf Polnisch vorzustellen und einige einfache Begriffe in der Nachbarsprache zu wiederholen und dabei zu lernen. Eine weitere Sprachanimation wurde mit einem Lied begleitet. Die Kinder haben erstaunlich schnell reagiert, konnten bald die Sprachlaute nachahmen und haben anhand von Hand- und Kopfbewegungen den Text verstehen gelernt. Im Verlauf des Tages wurden oft einige Ausschnitte aus dem Lied von den Kindern gesummt und gesungen.

Einen weiteren Aktionspunkt an diesem Vormittag stellte das Bemalen eines persönlichen Luftballons dar. Alle Kinder durften mit großer Vorsicht mit Faserstiften auf aufgeblasene Luftballons Stück für Stück ein Gesicht aufmalen. Dabei wurden immer wieder polnische Begriffe wie „nos“ für „Nase“ oder „oczy“ für „Augen“ wiederholt. Als das Gesicht fertig gemalt war (nur wenige Ballons sind dabei geplatzt), wurde noch einmal das zuvor gelernte Lied gesungen, wobei die Kopfbewegungen nun mit dem Luftballon anstatt mit dem eigenen Kopf gemacht wurden.

Als das Programm der polnischen Erzieherinnen dann eigentlich zu Ende war, fragten einige Kinder, ob sie die Ballons nicht behalten könnten. Aus dem Prozedere des Einsammelns der Ballons wurde dann auch gleich wieder ein Sprachspiel. So haben die Kinder die bereits erlernten Farben auf Deutsch und Polnisch noch einmal wiederholt und angewendet. Zum Schluss haben die Kinder vorgeführt, wie gut sie bereits das Ritual des Bekreuzigens im Kirchalltag auch auf polnischer Sprache beherrschen.

Den Rest des Tages haben die polnischen Erzieherinnen den Kita-Alltag beobachtet, um sich selbst neue Ideen für Methoden zur Sprachvermittlung anzueignen und die Kita-Praxis auf der deutschen Seite kennen zu lernen. Später wurde draußen im Garten viel erzählt, gespielt und sogar Mittag gegessen, bis die Kinder in die wohlverdiente Mittagsruhe verabschiedet wurden. In dieser Zeit haben sich die deutschen und polnischen Kursteilnehmerinnen, ebenso wie die anderen Kita-Erzieherinnen, angeregt über den Tagesablauf und die Kursinhalte ausgetauscht.

Für uns als LaNa ist es besonders schön, anhand eines solchen Studienbesuches die ersten Früchte dieses Projektes zu sehen. So haben auch Kindertagesstätten, die zuvor keine deutsch-polnischen Angebote für die Kinder unterbreitet hatten, bereits erfolgreich die zweite Sprache im Kita-Alltag integriert. Wir freuen uns sehr über diesen Erfolg und bedanken uns in diesem Zusammenhang bei allen Teilnehmenden des 1. Pilotkurses für die großartige Umsetzung des im Rahmen des Projektes Erlernten.

Das Projekt „Groß für Klein – Duzi dla małych“ wird finanziert aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung im Rahmen des Kooperationsprogramms INTERREG Polen-Sachsen 2014-2020 sowie aus Mitteln des DODN und des Landkreises Görlitz. Die Umsetzung für die deutsche Seite erfolgt durch die Sächsische Landesstelle für frühe nachbarsprachige Bildung (LaNa). Beim Projektmanagement unterstützt wird der Landkreis Görlitz durch die Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz.

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