Hilf mir, Dich zu verstehen – der Einsatz von Zeichensprache im Krippenbereich

Freuen Sie sich heute auf einen weiteren Gastbeitrag aus der deutsch-polnischen Kita-Praxis des Kinderschloss` Sonnenschein in Groß Krauscha, dessen Titel schon verrät, dass Sie heute einen ganz praktischen Einblick in Kommunikationsmittel zur Überwindung erster Sprachbarrieren erhalten:

„Wenn wir aus Sicht eines Erwachsenen daran denken, wie schwer es uns fällt, in einem Land mit einer für uns fremden Sprache unsere Anliegen anzubringen und uns zu verständigen… Da fehlt es am Wortschatz und nicht zuletzt überwiegt die Scham vielleicht bereits bekannte Vokabeln anzuwenden, sie aber falsch auszusprechen… Wie mag es da wohl einem Kleinkind gehen, welches seine ersten Erfahrungen an einem fremden Ort, mit für ihn fremden Personen macht?

Durch die Erkenntnisse der vergangenen Jahre, in denen wir Krippenkinder in der Eingewöhnung intensiv beobachtet und auch danach begleitet haben, wurde für unser KiTa – Team deutlich, Sprache in seiner Anwendung noch einmal anders zu betrachten. Insbesondere bei den Kindern, die nicht Deutsch als ihre Muttersprache erlernen. Bezeichnend ist dabei vor allem die sensible Zeit der Eingewöhnung, in der sich ein Kind aus der Sicherheit der elterlichen Umarmung Schritt für Schritt einer neuen Herausforderung stellen muss. Tröstlich ist es da, wenn Menschen da sind, die die gleiche Sprache sprechen.

Da Krippenkinder in der Regel zwar ein bereits gut vorhandenes Sprachverständnis besitzen, dieses jedoch noch nicht umfassend anwenden können, arbeiten wir mit zwei Varianten:

  • einfache tägliche Redewendungen und beschreibende Wörter werden im Krippenbereich zweisprachig eingesetzt
  • in Situationen, in denen das Trösten, das Verhandeln, das Erklären und Erzählen im Mittelpunkt stehen, werden bestimmte Zeichen/ Gesten eingesetzt, die sich an der Gebärdensprache orientieren und das Verstehen noch besser ermöglichen

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*Auf den Fotos (Kita Groß-Krauscha) zeigen drei Pädagoginnen der Kita Beispiele für den Einsatz von Zeichensprache. 

Das unsererseits wiederkehrende pädagogische Handeln mit dem Einsatz von Worten und Gestik in konkreten Situationen gibt den „Neuankömmlingen“ in unserer Einrichtung zunehmend Sicherheit. Sich mit einfachen Mitteln zu verständigen, schafft schnell gegenseitiges Vertrauen und erleichtert eine gelingende Eingewöhnung.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Eingewöhnungszeit ist die deutliche Aufforderung an die Eltern, auch in der Einrichtung in ihrer Muttersprache mit ihrem Kind zu sprechen. Erfahrungsgemäß sind kleine Kinder sehr verwirrt, wenn ihre Eltern an einem fremden Ort, mit fremden Personen plötzlich auch noch eine gänzlich andere Sprache als die Muttersprache sprechen. Besonders zu Beginn der Betreuung spüren wir immer wieder, dass es einem guten Austausch mit allen Eltern bedarf, da kulturelle und sprachliche Unterschiede auch verschiedene Sichtweisen auf Erziehung und Entwicklung mit sich bringen. Wir blicken auf ein gutes Miteinander, in dem wir mit der Aufnahme des Kindes die Eltern am täglichen Leben (in der Eingewöhnungszeit) teilhaben lassen. Dies stärkt gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung und lässt das Kind, seine Eltern und das KiTa-Team zu einer echten (Erziehungs-) Partnerschaft zusammenwachsen.

Und so schenkt uns jeder Tag mit unseren Familien immer wieder bereichernde Momente und lässt uns gemeinsam mit den Kindern zu „Sprachkünstlern“ wachsen.

Weiterführende Literatur: u.a. König, Vivien; Das große Buch der Babyzeichen; Verlag Karin Kestner

Die Landesstelle Nachbarsprachen bedankt sich wieder ganz herzlich für diesen Beitrag, der sicher vielen Kitas eine gute Handlungsorientierung bietet, bei der Leiterin der Kita „Kinderschloss Sonnenschein“, Frau Koch, sowie bei ihrem Team.

 

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