Partnerschaft / Begegnung mit einer Einrichtung im Nachbarland

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in sächsischen Kitas?

Erfahren Sie mehr darüber, welche (mindestens) zehn guten Gründe es für eine grenzüberschreitende Kita-Partnerschaft gibt, wie diese mit Leben erfüllt werden kann und wie  die Begegnungen zu positiven interkulturellen Erfahrungen werden.

Claudia Schmidt, Stadtverwaltung Adorf:

„… Es ist schön zu beobachten, wie selbstverständlich die Kinder über die sprachlichen Grenzen hinaus gemeinsam spielen und lernen. Ganz selbstverständlich begrüßen sie sich mit „Ahoj“ und krtek und sněhulák sind keine seltsam klingenden Worte, sondern gute Bekannte …“

Lassen Sie sich inspirieren:

Tipps für die praktische Umsetzung:

Für EinsteigerInnen: Wie finde ich eine Partner-Kita im Nachbarland?

Online-Kontakt- und Projektpartnerbörsen bieten das Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW) sowie das Koordinierungszentrum Deutsch-tschechischer Jugendaustausch Tandem. Allerdings sind diese Partnerbörsen landesweit und nicht vorrangig auf Kitas und die spezifische Bedingungen für grenzüberschreitende Kita-Partnerschaften ausgerichtet.

Da im Interesse einer möglichst regelmäßigen, intensiven Zusammenarbeit in der Regel der Aufbau einer Partnerschaft zu einer, mit vertretbarem Aufwand mit Vorschulkindern erreichbaren, Kita im grenznahen Raum sinnvoll ist, ist die Geschäftsstelle Ihrer Euroregion, in der sich Ihre Kita befindet, eine gute Adresse. Sie unterstützt Sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei der Gewinnung einer Partner-Kita sowie bei Bedarf auch bei der Kontaktaufnahme oder bei der Finanzierung Ihrer grenzüberschreitenden Aktivitäten.

Fragen Sie auch in Ihrer Kommune (Stadtverwaltung / Gemeindeverwaltung), ob es eine grenzüberschreitende Kommunalpartnerschaft zu einer Stadt oder Gemeinde im Nachbarland gibt. Hierfür gibt es i. d. R. konkrete Ansprechpersonen, die Sie dabei unterstützen können, Kontakt zu einer Kita in der Partner-Kommune aufzunehmen.

Generell lohnt sich ein Blick auf mögliche, bereits vor Ort vorhandene grenzüberschreitende Kontakte (z. B. von Vereinen, der Freiwilligen Feuerwehr, aber auch von Familien etc.). Sprechen Sie mit den ProtagonistInnen über Ihr Vorhaben eine grenzüberschreitende Kita-Partnerschaft aufzubauen – die Nutzung von bereits gewachsenen grenzüberschreitenden Strukturen und vorhandenen Erfahrungen und die persönliche Ansprache sind oft der beste Türöffner.

Wie gelingt die sprachliche Verständigung mit Ihrer Partner-Kita?

Die Vorbereitung und Durchführung grenzüberschreitender Aktivitäten erfordert gute Absprachen zwischen Ihnen und Ihrer Partnereinrichtung im Nachbarland.

  • Bestenfalls verfügen Sie in Ihren Kita-Teams oder in den Familien der von Ihnen betreuten Kinder über die erforderliche Sprachkompetenz dafür.
  • Andernfalls finden Sie sicher nachbarsprachliche Unterstützung im Umfeld Ihrer Kita: Fragen Sie z. B. in Ihrer Kommune oder bei der Volkshochschule nach…
  • Das Deutsch-Polnische Jugendwerk und das Koordinierungszentrum Deutsch-tschechischer Jugendaustausch Tandem bieten finanzielle Unterstützung für den Einsatz von SprachmittlerInnen* bei der Anbahnung und Durchführung grenzüberschreitender Aktivitäten an. Auch wenn Sie Projektförderungen beantragen, können i. d. R. Übersetzungsleistungen mit eingeplant werden.

*Hinweis: SprachmittlerInnen müssen dabei keine professionellen ÜbersetzerInnen/DolmetscherInnen sein, sondern einfach Personen, die beide Sprachen kommunikativ beherrschen.

  • Auch die neuen Medien eröffnen vielfältige Wege zur Unterstützung der grenzüberschreitenden Kommunikation: Nutzen Sie z. B. Übersetzungsprogramme wie Deepl, Lingea oder den Google Übersetzer für eine grobe Übersetzung von Schriftverkehr und Emails.

Bei der Begleitung der Kinder während der grenzüberschreitenden Begegnung heißt es dann ggf. für Sie, auch eigene Hemmungen und Sprachbarrieren zu überwinden und den Kindern authentisch interkulturelle Alltagskommunikation vorzuleben.

Lassen Sie sich auf jeden Fall auf das Abenteuer der zweisprachigen Kommunikation ein und haben Sie keinesfalls den Anspruch einer möglichst fehlerfreien Sprachverwendung, denn die ist überhaupt nicht entscheidend. Sie werden sehen, dass Sie dann auch für sich selbst viel Spaß und Gewinn dabei haben werden.

Wie bereite ich grenzüberschreitende Aktivitäten vor?

Diese Checkliste kann Ihnen – in Abhängigkeit von Ihrem konkreten Vorhaben – als Orientierung dienen.

Checkliste

  • gemeinsam mit der Partner-Kita Idee entwickeln:
    • Was soll stattfinden (Begegnung, gemeinsame Exkursion, Projekt …)?
    • Welches Thema?
    • Welche Ziele sollen erreicht werden?
  • Detail-Abstimmung mit der Partner-Kita:
    • Wann und Wo: Zeitlichen Rahmen und Ort festlegen
    • Wie soll die Begegnung / das Projekt inhaltlich und zeitlich ablaufen?
    • Wer übernimmt konkret welche Aufgabe (in der Vorbereitung, bei der Finanzierung, bei der Durchführung…)?
  • Detail-Planung im Kita-Team und ggf. mit dem Kita-Träger:
    • Was ist zu organisieren?
    • Wer macht was? Wer kann noch zur Unterstützung eingebunden werden?
    • Wird sprachliche Unterstützung benötigt?
    • Wie erfolgt die Vorbereitung und Einbeziehung der Kinder?
    • Wie können die Eltern eingebunden werden?
    • Wie soll das Vorhaben dokumentiert werden?
    • Sollen die lokalen Medien o. a. informiert werden?
  • Finanzierung klären:
    • Ausgabenplan erstellen und Finanzierungsmöglichkeiten prüfen
    • ggf. Finanzierungsantrag stellen
  • Inhaltliche Einstimmung und Vorbereitung mit den Kindern (Begrüßung in der Nachbarsprache, Basteln von kleinen Gastgeschenken, Ausgestaltung des Gruppenraumes, Herstellen von Kleinigkeiten für das Büfett, …)
  • Information der Eltern und ggf. Einholung von Dokumenten (Einverständnis / Fotoerlaubnis / Kinderausweis …)
  • Bei einem geplanten Besuch im Nachbarland:
    • Wie wird die Anreise organisiert?
    • Mit den Eltern besprechen: Kinderausweis und Versicherung
    • Geld umtauschen
    • Reiseproviant für die Kinder vorsehen
    • ausreichend Betreuungskräfte organisieren
Wo finde ich Unterstützung bei der Finanzierung?

Passgenau ausgerichtet auf die unbürokratische finanzielle Unterstützung grenzüberschreitender Kita-Partnerschaften, stehen folgende Förderprogramme zur Verfügung:

Darüber hinaus können Kitas eine Reihe von weiteren Förderprogrammen nutzen, die die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Sachsen und Polen bzw. Tschechien allgemein unterstützen. Für umfangreichere und aufwendigere Projekte stehen insbesondere Kleinprojekte-Fonds der Euroregionen bereit. Ansprechpartnerinnen sind hier die Geschäftsstellen der jeweiligen Euroregion, in der sich Ihre Kita befindet.

Welche Formalitäten sollten bedacht werden?
  • Ausweisdokumente nicht vergessen bei Reisen ins Nachbarland!
    Alle Kinder benötigen einen gültigen Kinderreisepass.
  • Versicherung im Ausland?
    Die in der Kita betreuten Kinder und alle Betreuungspersonen (Kita-Angestellte ebenso wie Eltern etc., die Sie freiwillig und unentgeltlich unterstützen) sind über die Unfallkasse Sachsen unfallversichert.
    Darüber hinaus haben Sie nach EU-Recht im Nachbarland auch Anspruch auf notwendige medizinische Leistungen: Also vorsichtshalber die Krankenversicherungs-Chipkarte mitnehmen.
  • Sind Impfnachweise vorzulegen?
    In Deutschland ist es Pflicht, Kinder, die eine Kindertageseinrichtung besuchen, altersentsprechend gegen Masern geimpft zu haben bzw. einen entsprechenden Immunitätsnachweis vorzulegen. Die Kitas sind verpflichtet dies bei Aufnahme des Kindes zu prüfen. Dies wirft die Frage auf, ob bei grenzüberschreitenden Treffen auch ein Impfnachweis für die Kinder aus dem Nachbarland geprüft werden müsste: Sowohl in Tschechien als auch in Polen herrscht eine strengere Impfpflicht. Die Kinder werden nach Impfplan mit den notwendigen Schutzimpfungen versorgt. Spätestens bei der Aufnahme in eine Kindertageseinrichtung müssen zumindest in Tschechien die planmäßig erfolgten Impfungen nachgewiesen werden und die Kitas sind verpflichtet dies zu kontrollieren. Somit kann davon ausgegangen werden, dass bei grenzübergreifenden Treffen, die zwischen Kitas der Nachbarländer organisiert werden, für alle Kinder eine altersentsprechende Schutzimpfung erfolgte bzw. ein Immunitätsnachweis vorliegt.
  • Sicherheits-Warnwesten für Kinder?
    In manchen Kitas ist es üblich, dass die Kinder bei Teilnahme am Straßenverkehr Sicherheits-Warnwesten tragen. Fragen Sie dazu Ihre KollegInnen aus der Partner-Kita.
  • Haben Sie einen Förderantrag gestellt? Dann informieren Sie sich bitte rechtzeitig über das Ergebnis des Förderverfahrens und beachten Sie, welche Unterlagen Sie für die Abrechnung benötigen (z. B. Teilnehmerlisten, Fotodokumentation etc.).

Nicht vergessen: Dokumentation

Für die Kinder ist eine grenzüberschreitende Begegnung stets ein besonders aufregender Höhepunkt. Um das Erlebte zu verarbeiten und daran in Ihrem pädagogischen Alltag anknüpfen zu können, ist die Nachbereitung mit den Kindern wichtig. Sprechen Sie z. B. im Morgenkreis mit den Kindern darüber und lernen Sie im individuellen Gespräch oder über kreative Ausdrucksformen die Empfindungen und Wahrnehmungen jedes einzelnen Kindes, aber auch seine Fragen bzgl. unserer Nachbarn etc. noch besser kennen. So können Sie künftig in Ihrer pädagogischen Arbeit darauf eingehen.

Beziehen Sie Ihre Beobachtungen in diesem Kontext auch in die individuelle Lern- und Entwicklungsdokumentation (Portfolioarbeit, Bildungs- und Lerngeschichten,…) ein.

Ein Aushang mit einem kleinen Bericht und Fotos schafft weitere Gesprächsanlässe. Oder stellen Sie Bilder und Basteleien der Kinder aus, die im Kontext der grenzüberschreitenden Partnerschaft gestaltet wurden. So beziehen Sie auch die Eltern mit ein. Gleichzeitig machen Sie damit ihr grenzüberschreitendes Engagement für alle in der Kita sichtbar. Vielleicht entsteht auf diesem Wege eine Chronik Ihrer grenzüberschreitenden Partnerschaft, in die alle immer wieder hineinschauen können, Erinnerungen aufgefrischt werden und Entwicklung sichtbar wird?

Um Ihre grenzüberschreitende Partnerschaft Schritt für Schritt weiter entwickeln zu können, empfiehlt sich eine gemeinsame Reflexion im Team und mit der Partner-Kita:

  • Was ist besonders gelungen?
  • Welche Beobachtungen konnten beim Miteinander der Kinder und im Zusammenspiel der Erwachsenen gemacht werden?
  • Woran kann beim nächsten Treffen angeknüpft werden? Welche Ideen gibt es bereits?
  • Worauf sollte beim nächsten Mal verstärkt geachtet werden?
  • Was ist ggf. besser zu machen?

Ein gemeinsamer Austausch zu diesen und weiteren Fragen kann gleichzeitig ein guter Ausgangspunkt für die gemeinsame Planung des nächsten Treffens oder der nächsten gemeinsamen Aktivität sein. Halten Sie deshalb die Kernpunkte schriftlich fest, um später daran anzuknüpfen.

Sollten Sie für Ihre grenzüberschreitenden Aktivitäten finanzielle Unterstützung akquiriert haben, ist hierfür beim Fördermittelgeber ein Verwendungsnachweis vorzulegen, der auch einen Sachbericht und i. d. R. auch einen Teilnehmernachweis beinhaltet.

Wertvolle Hinweise von PraktikerInnen:

„…Wir nehmen unsere Region mit all ihren Möglichkeiten wahr, begegnen unseren Nachbarn auf Augenhöhe. […] Für alle Beteiligten (Kinder, Familien, Team) wird dabei die Sprachenvielfalt erlebbar. Daraus erwächst ein neues Verständnis für den Wert von Mehrsprachigkeit, vor allem als Chance mit Blick auf die Arbeits- und Lebensperspektiven (nicht nur) vor Ort…“

Silke Roick-Frenzel

Unterm Regenbogen, Sebnitz

„…wir gestalten eine rege Partnerschaft mit einer Kita aus Jablonec nad Nisou. Ein besonderer Höhepunkt in jedem Jahr ist unser tschechisch-deutsches Familientreffen im Riesengebirge. Dabei verbringen die Kinder beider Kitas und ihre Familien sowie ein Teil der PädagogInnenteams ein Wochenende gemeinsam. Es ist jedes Mal ein bunt gemischter interkultureller Austausch für Klein und Groß …

Bettina Prieber

Knirpsenland, Oderwitz

„Kinder brauchen viel Bewegung für eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung. Dem tragen wir mit unseren Begegnungsprojekten mit unserer polnischen Partner-Kita Rechnung.  Zu den gemeinsamen Interaktionen der Kinder gehören stets auch spielerische Bewegungseinheiten oder Tanz, die durch Sprachanimation in beiden Nachbarsprachen begleitet werden.“

Björn Wünsche

Bergpiraten, Bad Muskau

Impulse für Fortgeschrittene:

Dank Ihrer gemeinsamen Aktivitäten mit einer Partner-Kita im Nachbarland machen die teilnehmenden Kinder und Erwachsenen nicht nur wertvolle interkulturelle Erfahrungen, sie begegnen auch der Nachbarsprache in authentischen Kontexten.

Unterstützen Sie die Neugier am Entdecken dieser neuen Sprache, indem Sie diese auch in Ihren Kita-Alltag holen!

Binden Sie polnische und/oder tschechische MuttersprachlerInnen in Ihre pädagogische Arbeit ein!

Nutzen Sie das nachbarsprachige Potenzial in den Familien der von Ihnen betreuten Kinder!

Dank Ihrer grenzüberschreitenden Kita-Partnerschaft haben Sie darüber hinaus die besondere Chance, einen grenzüberschreitenden Fachkräfteaustausch zu initiieren und den Kindern beider Kitas damit ein regelmäßiges Sprachbad in der jeweiligen Nachbarsprache zu ermöglichen.

Fundus zur Nachnutzung in der pädagogischen Kita-Praxis:

Beispiele aus der Kita-Praxis

Abonnieren Sie auch den Blog der Landesstelle Nachbarsprachen: Hier werden regelmäßig nachbarsprachige Aktivitäten von Kitas im sächsischen Grenzraum vorgestellt und Sie erhalten darüber hinaus nützliche Informationen zu aktuellen Förderprogrammen u. v. a.m.

Besuchen Sie auch die Materialbibliothek auf der Nachbarsprachplattform oder leihen Sie sich den Nachbarsprachkoffer aus – hier finden Sie viele weitere Anregungen, methodischen Handreichungen und Materialien für Ihre grenzüberschreitende Begegnungen.

Checklisten, Muster-Dokumente & Co.
Ihr Beitrag für den Fundus?!

Haben Sie aktuelle Informationen, möchten Sie Materialien, mit denen Sie in Ihrer Kita arbeiten, weiter empfehlen oder haben Sie Beispiele guter Praxis etc., die Sie gern mit anderen Kita-Fachkräften teilen? Ihre Impulse nehmen wir gern auf. Sprechen Sie uns an!